Rheinmetall meldet binnen wenigen Tagen gleich mehrere neue Aufträge und Kooperationen – die Nachrichtenlage zeigt, wie breit der Konzern sein Geschäft inzwischen aufgestellt hat. Die Aktie notiert am Mittwoch bei 1.161,00 Euro und legt damit um 1,52 Prozent zu.
OCCAR zieht Boxer-Option, Marine bleibt Baustelle
Die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR hat am Montag eine Option über 69 weitere Boxer-Radschützenpanzer gezogen. 35 der Fahrzeuge gehen an die Bundeswehr, 34 an die niederländischen Streitkräfte – ein Geschäft, das Rheinmetall gemeinsam mit dem Partner KNDS abwickelt. Der Auftrag reiht sich in eine Serie europäischer Beschaffungsvorhaben ein, die dem Konzern zuletzt regelmäßig neue Bestellungen bescherten.
Weniger erfreulich verläuft es in der Marinesparte: Das Bundesverteidigungsministerium hat das Fregattenprojekt F126 endgültig gestoppt und sich stattdessen für vier Meko-A200-Fregatten des Konkurrenten Thyssenkrupp Marine Systems entschieden. Das setzt Rheinmetalls maritime Aktivitäten unter Akquisitionsdruck.
Als möglichen Ausweg verhandelt das Unternehmen laut Medienberichten über die Übernahme der insolventen Mangalia-Werft in Rumänien – ein Deal, der an einen möglichen Auftrag der rumänischen Regierung über 920 Millionen Euro für vier Militärschiffe geknüpft wäre.
Boeing-Kooperation und Lockheed-Fahrplan für Unterlüß
Am Montag gaben Rheinmetall und Boeing zudem eine Zusammenarbeit zur Beschleunigung des Collaborative-Combat-Aircraft-Programms in Deutschland bekannt. Rheinmetall soll als Systemintegrator deutsche Sensoren und Waffensysteme in die Drohnenplattform MQ-28 Ghost Bat einbinden – ein Einstieg in ein Zukunftsfeld der Luftverteidigung, das über das klassische Landsystemgeschäft hinausgeht.
Parallel konkretisierte Konzernchef Armin Papperger den Zeitplan für die Fertigung von ATACMS-Artillerieraketen am Standort Unterlüß. Die Produktionslinie für das sogenannte Lot 8 soll 2027 aufgebaut werden, weil Lockheed Martin seine amerikanischen Kapazitäten zunehmend für das Nachfolgemodell PrSM benötigt.
Ergänzt wird das internationale Bild durch einen Entwicklungsauftrag der US Army an die Tochter American Rheinmetall im Rahmen des „Project Sustainment“ für autonome unbemannte Bodenfahrzeuge zur Frontversorgung, sowie durch einen britischen Auftrag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich für Waffenanlagen der Radhaubitze RCH 155.
Guidance-Kürzung überschattet Rekordauftragsbestand
Die operative Basis bleibt trotz der Marine-Rückschläge robust. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um rund 69 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro, während der Gewinn je Aktie auf 2,66 Euro sank – nach 2,90 Euro im Vorjahr.
Der Auftragsbestand erreichte mit 80,5 Milliarden Euro einen Rekordwert. Wegen der F126-Kündigung senkte der Konzern die Umsatzprognose für 2026 um 300 Millionen Euro auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, hält aber an der operativen Renditezielmarke von rund 19 Prozent fest.
Der Analyst Christian Cohrs von Warburg Research bestätigte am Montag das Kaufvotum mit einem Kursziel von 1.500 Euro und wertete die Prognosekürzung als reine Folge des Fregattenabbruchs, ohne operative Verschlechterung im Kerngeschäft.
Nach einem schwachen Vorjahr, in dem die Aktie binnen zwölf Monaten rund 26 Prozent verlor, hat sich das Papier zuletzt spürbar erholt: In den vergangenen 30 Tagen stieg der Kurs um 18,11 Prozent. Die nächste Standortbestimmung liefert die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal, die für den 5. November angesetzt ist.
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