Rheinmetall bekommt neue Bundeswehr-Aufträge. Gleichzeitig droht dem Konzern ausgerechnet in seinem wichtigsten Geschäftsfeld eine Kürzung der Staatsausgaben. Die Aktie legte am Dienstag um 2,95 Prozent auf 1.090,00 Euro zu — der Markt blickt trotz der Budgetsorgen optimistisch nach vorn.
Munitionsbudget schrumpft im Haushaltsentwurf 2027
Die Bundesregierung plant laut aktuellen Medienberichten weniger Geld für Munition. Im Entwurf für den Haushalt 2027 sollen die Mittel von 11 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf rund 9,6 Milliarden Euro sinken.
Das trifft Rheinmetall in einem Kernbereich. Der Konzern ist weltweit größter Hersteller von 155mm-Artilleriemunition. Marktbeobachter deuten die Pläne als Signal für eine Prioritätsverschiebung in Berlin: weg von klassischer Artillerie und Panzern, hin zu Drohnentechnologie und digitalen Systemen.
Bundeswehr bestellt weitere Schwerlasttransporter
Am Montag meldete Rheinmetall einen neuen Auftrag. Die Bundeswehr bestellt 56 weitere Sattelzugmaschinen des Typs „Elefant 2“. Der Auftragswert liegt bei rund 60,5 Millionen Euro brutto, die Auslieferung ist für 2026 und 2027 geplant.
Die Bestellung erweitert einen bestehenden Rahmenvertrag aus dem Jahr 2018. Der gestiegene Bedarf der Truppe macht die Aufstockung nötig. Die Fahrzeuge transportieren schwere Gefechtsfahrzeuge und sichern damit einen Teil der NATO-Logistikverpflichtungen Deutschlands.
Neue Pulverfabrik soll Lieferketten unabhängiger machen
Rheinmetall will unabhängiger von internationalen Lieferketten werden, besonders bei Rohstoffen aus China. Dafür hat der Konzern in Aschau in Bayern den Grundstein für eine neue Pulverfabrik gelegt. In die Modernisierung der Tochtergesellschaft Nitrochemie investiert Rheinmetall rund 500 Millionen Euro.
Das Ziel: mehr als eine Million Treibladungsmodule pro Jahr aus deutscher Produktion. China hatte am 24. Juli Exportkontrollen für Dual-Use-Komponenten angekündigt. Der Ausbau in Aschau gewinnt dadurch an strategischer Bedeutung für die Versorgungssicherheit der europäischen Munitionsproduktion.
Charttechnik zeigt Erholung, aber tiefe Spuren bleiben
Die Aktie hat sich von ihrem 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro deutlich erholt und legte in den vergangenen sieben Tagen um 7,64 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 29,79 Prozent zu Buche. Der RSI von 56,4 signalisiert einen neutralen Markt, ohne klare Überkauft- oder Überverkauft-Signale.
Am 6. August 2026 legt Rheinmetall den Quartalsbericht für das zweite Jahresviertel vor. Anleger werden dann genau darauf achten, wie das Management die Budgetkürzungen für 2027 in die langfristige Prognose einordnet.
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