Rheinmetall meldet einen Milliardenauftrag aus Großbritannien und startet eine neue Weltraum-Partnerschaft. Der Aktienkurs reagiert trotzdem mit einem weiteren Rückgang. Zwischen operativem Erfolg und Börsenbewertung klafft derzeit eine deutliche Lücke.
Neue Partnerschaft für die Aufklärung aus dem All
Am Mittwoch unterzeichnete Rheinmetall eine Absichtserklärung mit dem norwegischen Unternehmen Space Norway. Die beiden Partner wollen gemeinsam weltraumgestützte Fähigkeiten zur maritimen Überwachung entwickeln. Im Zentrum steht C-Band-SAR-Satellitentechnologie, die große Seegebiete im Blick behält.
Diese Technik ergänzt die bestehenden X-Band-Systeme des Konzerns. Die sind für die hochauflösende Aufklärung einzelner Ziele gedacht. Die Kooperation umfasst zudem Satellitenkommunikation und Missionssysteme – Rheinmetall baut sich damit ein weiteres Standbein als Systemanbieter für vernetzte Sicherheitstechnik.
Großauftrag in Großbritannien, Ärger in Bulgarien
Die Weltraum-Nachricht reiht sich in eine Serie wichtiger Entwicklungen der letzten Tage ein. Über das Konsortium „Omnia Training“ sicherte sich Rheinmetall einen Anteil von knapp einer Milliarde Euro am „Army Collective Training Service“ der britischen Armee. Der Vertrag läuft 15 Jahre und modernisiert die Gefechtsausbildung der Streitkräfte.
Parallel dazu gerät ein anderes Projekt unter Druck. Die bulgarische Regierung will laut aktuellen Berichten ein bestehendes Joint Venture neu verhandeln. Grund sind Budgetdefizite im Staatshaushalt. Zwei geplante Werke für Pulver- und Munitionsproduktion stehen deshalb zur Disposition – ursprünglich waren dafür rund eine Milliarde Euro vorgesehen, an denen Rheinmetall mit 51 Prozent beteiligt ist.
Der Kurs bleibt unter Druck
Die Rheinmetall-Aktie schloss am Mittwoch bei 968,50 Euro. Das liegt nur noch 7,31 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 25. Juni. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 40 Prozent verloren, auf Sicht von zwölf Monaten sogar knapp 47 Prozent.
Zum Rekordhoch von 1.995 Euro aus dem September 2025 fehlen mittlerweile über 51 Prozent. Auch die gleitenden Durchschnitte zeigen den Abwärtstrend deutlich: Der Kurs notiert 15,26 Prozent unter dem 50-Tage-Schnitt und 35,71 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 35,2 signalisiert, dass sich die Aktie dem überverkauften Bereich nähert.
Die hohe Schwankungsbreite von 68,90 Prozent auf Monatssicht zeigt: Der Markt bewertet den gesamten Rüstungssektor gerade neu. Die Marktkapitalisierung liegt trotz der Kursverluste noch bei 46,23 Milliarden Euro.
Was die kommenden Wochen bringen
Für die Marktstimmung könnte auch die Entwicklung im neuen Werk Unterlüß wichtig werden. Dort hat Rheinmetall am 14. Juli die ersten Munitionslieferungen an die Ukraine bestätigt. Ob solche operativen Fortschritte den Kurs stabilisieren können, bleibt offen.
Die nächsten Quartalszahlen veröffentlicht Rheinmetall am 6. August. Bis dahin dürfte sich zeigen, wie stark politische Unsicherheiten wie in Bulgarien gegen langfristige Großprojekte wie den britischen Digitalisierungsauftrag wiegen.
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