Rheinmetall hat von den dänischen Streitkräften einen Auftrag für sein Schiffsschutzsystem MASS erhalten. Der Multi Ammunition Softkill System-Auftrag betrifft Fregatten der Absalon- und Iver-Huitfeldt-Klasse sowie die Waffenschule der Königlich Dänischen Marine, wie das Unternehmen mitteilte. Die Lieferungen sollen ab dem vierten Quartal 2027 erfolgen, gebucht wurde das Geschäft bereits im zweiten Quartal 2026.
Das Täuschkörpersystem ist längst kein Nischenprodukt mehr: Weltweit sind nach Unternehmensangaben mehr als 400 der Werfer im Einsatz, MASS schützt derzeit Schiffe von 18 Nationen. Der dänische Auftrag reiht sich damit in eine Serie von Einzelaufträgen ein, die den prall gefüllten Auftragsbestand von Rheinmetall weiter untermauern.
Rettungsstationen und Auftragsbestand wachsen parallel
Erst kürzlich hatte der Konzern von der Bundeswehr einen Zusatzauftrag für mobile Rettungsstationen im Wert von mehr als 500 Millionen Euro brutto erhalten – eine Erweiterung einer früheren Bestellung um 149 auf insgesamt 165 Systeme. Der Gesamtwert dieser Sanitätseinrichtungen liegt damit bei über 600 Millionen Euro brutto, die Produktion soll ab dem ersten Quartal 2027 anlaufen.
Solche Einzelaufträge mögen im Vergleich zu Milliardenprogrammen klein wirken, doch in der Summe tragen sie den Auftragsbestand von Rheinmetall auf ein Rekordniveau von 80,5 Milliarden Euro zum Ende des zweiten Quartals. Das Unternehmen strebt bis Jahresende 2026 einen Backlog von 100 bis 120 Milliarden Euro an – ein Ziel, das angesichts der laufenden Auftragsdynamik durchaus erreichbar erscheint.
Größere Weichenstellungen stehen noch bevor
Während die aktuellen Einzelaufträge das operative Geschäft absichern, richtet sich der Blick der Anleger zunehmend auf größere Entscheidungen. Für den 9. Dezember ist die parlamentarische Behandlung des Arminius-Boxer-Großauftrags im Bundestag angesetzt, ein Festbestellungsvolumen von rund 25 Milliarden Euro, von dem auf Rheinmetall ein Anteil von etwa 12,4 Milliarden Euro entfiele.
Die Vertragsunterzeichnung soll wenige Tage später folgen, die finalen Verhandlungen sind für die zweite Septemberwoche angesetzt. Im Januar 2027 könnte zudem ein Servicevertrag für die Instandhaltung der Boxer-Flotte mit einem Rheinmetall-Anteil von rund 2 Milliarden Euro hinzukommen.
Auch im Rüstungsgeschäft mit den USA bewegt sich etwas: Im Juli wurde ein Memorandum of Understanding mit Lockheed Martin für die gemeinsame Produktion von ATACMS-Systemen am Standort Unterluess unterzeichnet.
Der Produktionsaufbau ist für 2027 geplant, erste Umsatzerlöse werden laut Unternehmensangaben erst 2028 anfallen. Konzernchef Armin Papperger dämpfte dabei Erwartungen an ein schnelles Hochfahren – die Wiederauffüllung der US-Bestände sei nicht binnen zwei Jahren zu erreichen.
Kurs erholt sich von Guidance-Schock
Die Aktie notierte am Dienstag bei 1.211,80 Euro und liegt damit rund 10 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Auf Wochensicht steht ein Plus von 3,1 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar von 23 Prozent – eine Erholung von der scharfen Reaktion auf die im August gesenkte Jahresprognose, die im Zuge der Stornierung des F126-Fregattenprogramms erfolgt war. Zum 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro klafft dennoch weiterhin eine Lücke von 40 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22 Prozent zu Buche.
Die einzelnen Aufträge aus Dänemark und von der Bundeswehr ändern an dieser Gesamtbilanz wenig, sie liefern aber ein Signal: Das operative Neugeschäft läuft trotz der Rückschläge bei Großprogrammen unvermindert weiter und stützt den Auftragsbestand, auf den Anleger angesichts der anstehenden Milliardenentscheidungen im Winter genau blicken dürften.
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