Rheinmetall treibt seine amerikanische Expansion voran. American Rheinmetall hat den ersten Prototyp des Schützenpanzers Lynx XM30 an die US Army übergeben und bewirbt sich damit um einen milliardenschweren Auftrag als Nachfolger des Bradley-Kampffahrzeugs, wie Reuters berichtete. Der Schritt markiert einen zentralen Meilenstein im Bestreben des Konzerns, sich als Zulieferer für das US-Militär zu etablieren.
Mehrere Standbeine in den USA
Der Vorstoß bei der US Army ist nicht die einzige Bewegung des Konzerns auf dem amerikanischen Markt. Parallel meldete Rheinmetall die Lieferung von Ersatzkomponenten für mobile Bodenstartgeräte an die U.S. Navy. Zudem sicherte sich American Rheinmetall von Kongsberg Defence & Aerospace einen Auftrag über rund 710.000 US-Dollar für maschinell gefertigte Komponenten für MCT-30-Türme.
Die Fertigung soll 2026 und 2027 in Lapeer und Lansing im US-Bundesstaat Michigan erfolgen. In Summe unterstreicht die Häufung solcher Vertragsabschlüsse, dass sich Rheinmetall in den USA nicht nur über Großprojekte, sondern auch über kleinteilige Zulieferaufträge festsetzt.
Auch in Deutschland investiert der Konzern weiter in seine Infrastruktur. Rheinmetall kündigte in Hessen eine Investition im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich für ein neues Logistik- und Technologiezentrum am Flughafen Kassel-Calden an. Das Vorhaben ist per Absichtserklärung mit der hessischen Landesregierung flankiert und soll bis Ende 2027 in Betrieb gehen.
Kurs unter Druck trotz operativer Dynamik
Trotz der Nachrichtenlage rund um neue Aufträge bleibt der Aktienkurs unter Druck. Am Dienstag notiert das Papier bei 1.050,20 Euro und legt damit im Tagesvergleich um 2,7 Prozent zu. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Rückgang von 8,2 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 32 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober 2025, trennen die Aktie derzeit 48 Prozent – ein Abstand, der die Dimension des Kursrückgangs seit dem Herbst des Vorjahres verdeutlicht.
Die Diskrepanz zwischen operativer Auftragsdynamik und Kursentwicklung dürfte Anleger weiter beschäftigen. Deutsche Bank Research bestätigte Anfang September das Rating „Buy“ mit einem Kursziel von 1.800 Euro – eine Einschätzung, die angesichts des aktuellen Kursniveaus erhebliches Aufwärtspotenzial unterstellt. MWB Research stufte die Aktie dagegen auf „Hold“ herauf, was auf eine vorsichtigere Haltung gegenüber der kurzfristigen Kursentwicklung hindeutet.
Bilanzzahlen mit Vorsicht einordnen
Im Investor-Relations-Bereich weist Rheinmetall einen Auftragsbestand von 80,4 Milliarden Euro zum Stichtag 30. Juni 2026 aus. Dieser aktuelle Rückstand steht allerdings neben älteren Kennzahlen: Der Umsatz von 9.935 Millionen Euro, das operative Ergebnis von 1.841 Millionen Euro sowie der Dividendenvorschlag von 11,50 Euro stammen aus dem Geschäftsjahr 2025 und spiegeln keine aktuelle Quartalsentwicklung wider.
Für Anleger ist der hohe Auftragsbestand dennoch ein Signal, dass die Nachfrage nach Rüstungsgütern trotz des schwachen Aktienkurses ungebrochen hoch bleibt.
In den kommenden Tagen dürfte der Konzern zusätzliche Impulse liefern: Für den 8. September ist ein Auftritt bei der Morgan-Stanley-Veranstaltung „Industrial CEOs unplugged“ terminiert, am 9. September folgt die Teilnahme an der Jefferies Industrials Conference. Beide Termine bieten dem Management Gelegenheit, die Wachstumsstory gegenüber institutionellen Investoren zu untermauern.
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