Die Rheinmetall-Aktie gerät am heutigen Freitag erneut unter Verkaufsdruck. Das Papier fällt um 3,5 Prozent auf 1.035,40 Euro, nachdem es bereits am Donnerstag mit 1.072,40 Euro schwächer aus dem Handel gegangen war. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 10 Prozent. Auslöser ist eine Häufung kritischer Berichte über die operative Abwicklung wichtiger Rüstungsprojekte des Konzerns.
Verzögerungen bei Schlüsselprojekten
Im Zentrum der Kritik stehen das Flugabwehrsystem Skyranger 30 sowie der Radpanzer Schwerer Waffenträger Infanterie. Bundeswehr und Beschaffungsamt bemängeln bei beiden Programmen Verzögerungen. Rheinmetall widerspricht dieser Darstellung in Teilen und nennt eigene, kürzere Verzugszeiten. Hinzu kommen Medienberichte über mögliche Qualitätsmängel bei Schutzplatten aus dem Konzernkreis.
Auch die Beschaffung der Radpanzer Boxer im Rahmen des Projekts „Arminius“ verzögert sich: Das erste Kontingent im Auftragswert von 12,4 Milliarden Euro soll nun erst zum Jahresende bestellt werden. Die finalen Verhandlungen dazu sind für die zweite Septemberwoche angesetzt, die parlamentarische Behandlung ist für den 9. Dezember terminiert.
Konzernchef Armin Papperger gerät wegen der gestoppten Großprojekte, der Lieferverzögerungen und einer stark auf ihn zugeschnittenen Führungsstruktur zunehmend unter Druck. Der Rüstungssektor insgesamt kämpft seit Wochenbeginn mit ähnlichen Berichten über Lieferverzögerungen und Qualitätsmängel – auch RENK, HENSOLDT und TKMS geraten unter Druck, weil Anleger vergleichbare Zweifel an Fertigungsqualität und Termintreue nicht ausschließen.
Laufende Ausschreibung um Kampfdrohne
Bei der geplanten Kampfdrohne für die Luftwaffe steht Rheinmetall im Wettbewerb um einen Auftrag der Bundeswehr, den das Unternehmen gemeinsam mit Boeing Australia anstrebt. Die Bundeswehr wartet den Berichten zufolge zunächst Angebote von Wettbewerbern wie Helsing und Airbus ab, bevor eine Entscheidung fällt. Eine endgültige Vergabe steht damit noch aus.
Positive Nachricht ohne Kompensationskraft
Nicht alle Meldungen des Tages sind negativ: Die kanadische Tochtergesellschaft Rheinmetall Canada erhielt von der US-Marine einen Auftrag für Ersatzkomponenten der mobilen Startgeräte MSU-200NAV. Das Volumen bewegt sich im einstelligen Millionen-Euro-Bereich, die Auslieferungen sind zwischen Ende 2026 und Ende 2028 geplant. Der Kursrückgang zeigt jedoch, dass dieser Auftrag die Belastung aus den Verzögerungsberichten nicht auffangen kann.
Solide Zahlen, gesenkte Prognose
Operativ zeigte sich Rheinmetall zuletzt robust: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis von 562 Millionen Euro lag rund 20 Prozent über dem Analystenkonsens.
Der Auftragsbestand überschritt zum selben Zeitpunkt 80 Milliarden Euro. Gleichzeitig senkte der Konzern nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 seine Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro und rechnet mit einem deutlich negativen operativen freien Cashflow.
Charttechnisch notiert die Aktie mit einem RSI von 35,8 nahe überverkauftem Terrain und liegt 5,6 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro von Anfang Oktober klafft mittlerweile eine Lücke von 48 Prozent. Die Kombination aus operativer Stärke und wachsenden Zweifeln an der Umsetzungsfähigkeit prägt damit das Bild, das Anleger derzeit von Rheinmetall gewinnen.
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