Rheinmetall baut seinen Standort Kassel zu einem der größten Rüstungswerke Europas aus. Der Konzern kündigte am 27. August Investitionen von rund 270 Millionen Euro an, mit denen ein Drohnen-Testzentrum am Flughafen Calden, ein Logistik-Hub und zusätzliche Produktionskapazitäten entstehen sollen. Nach eigenen Angaben soll Kassel zum „modernsten Panzerwerk“ der Welt werden.
Beschäftigung und Umsatz sollen deutlich wachsen
Die Belegschaft am Standort soll nach Unternehmensangaben von derzeit rund 2.200 auf etwa 3.500 Beschäftigte anwachsen. Parallel dazu peilt Rheinmetall an, den Jahresumsatz in Kassel von aktuell 1,5 Milliarden Euro bis 2029 auf 5 Milliarden Euro zu steigern.
Der Logistik-Hub in Kassel-Calden soll Ende 2027 in Betrieb gehen. Die Ausbaupläne fügen sich in eine Serie von Kapazitätserweiterungen, mit denen der Konzern auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Rüstungsgütern reagiert.
Hintergrund der Expansion ist auch das sogenannte Arminius-Projekt, der geplante Großauftrag über Boxer-Radfahrzeuge für die Bundeswehr. Die finalen Verhandlungen zu dem Paket, das für Rheinmetall zusammen mit KNDS Deutschland ein Volumen von rund 25 Milliarden Euro umfasst, waren für die zweite Septemberwoche angesetzt. Die parlamentarische Behandlung im Bundestag ist für den 9. Dezember geplant, eine Unterzeichnung könnte wenige Tage danach folgen.
Für Rheinmetall würde daraus allein aus der Festbestellung ein Anteil von etwa 12,4 Milliarden Euro entstehen, hinzu kämen eine Anzahlung von über 3 Milliarden Euro sowie ein Servicevertrag mit einem Anteil von rund 2 Milliarden Euro für den Konzern. Mögliche spätere Rahmenvertrags-Optionen könnten das Gesamtvolumen für die Branche auf mehr als 75 Milliarden Euro treiben.
Auftragsbestand auf Rekordniveau, operatives Geschäft wächst kräftig
Die Investitionsentscheidung fällt in eine Phase, in der Rheinmetall operativ stark zulegt, an der Börse aber unter Druck steht. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 69 Prozent auf 3.289 Millionen Euro, das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro bei einer operativen Marge von 17,1 Prozent.
Der Auftragsbestand erreichte zum Stichtag im zweiten Quartal mit 80,5 Milliarden Euro einen Rekordwert. Zugleich belastete der operative freie Cashflow das Bild: Er fiel im zweiten Quartal mit minus 1.331 Millionen Euro deutlich negativ aus, für das erste Halbjahr summierte sich das Minus auf 1.616 Millionen Euro – eine Folge der hohen Vorleistungen für den Kapazitätsausbau.
Auf operativer Ebene meldet der Konzern zudem weitere Fortschritte im internationalen Geschäft: Die kanadische Tochter erhielt von der US-Navy einen Auftrag für Ersatzkomponenten, und die US-Einheit American Rheinmetall lieferte den ersten von acht Lynx-XM30-Prototypen an die US-Armee aus.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse hat die Investitionsmeldung bislang keine Trendwende gebracht. Die Aktie notiert aktuell bei 1.023,40 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen 11 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 34 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober bei 2.007,00 Euro trennen das Papier inzwischen 49 Prozent.
Der Kurs notiert damit weiterhin deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.394,54 Euro, was auf einen fortgesetzten mittelfristigen Abwärtstrend hindeutet. Für Anleger bleibt die Kluft zwischen operativem Rekordwachstum und Kursentwicklung damit die zentrale Beobachtungsgröße – der Ausgang der Arminius-Verhandlungen dürfte in den kommenden Wochen zeigen, ob sich diese Schere wieder schließt.
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