Die 1.000-Euro-Marke war lange ein Symbol für die ungebremste Rüstungsrally. Jetzt ist sie gerissen. Rheinmetall notiert erstmals seit Juli wieder darunter — und ausgerechnet eine skeptische Analystenstimme trifft die Aktie an einem Tag, an dem der Konzern eigentlich mit einer positiven Nachricht aufwarten wollte.
JPMorgan hat Rheinmetall auf „Negative Catalyst Watch“ gesetzt und blickt damit skeptisch auf den Kapitalmarkttag im November. Die Sorge der Analysten: Der Konzern könnte dort einen veränderten Umsatzmix präsentieren, mit weniger Erlösen aus den besonders profitablen etablierten Geschäftsfeldern wie Munition und bemannten Fahrzeugen.
Die neuen Wachstumsfelder Drohnen, autonome Waffensysteme und Weltraum stammen dagegen häufiger aus Gemeinschaftsunternehmen — das drückt auf die Ergebnisbeiträge in der Konzernbilanz, selbst wenn die Auftragslage insgesamt stimmt.
Battlesuite wird zum Nebenschauplatz
Dabei hatte Rheinmetall an sich einen strategischen Schritt zu vermelden: Der Konzern öffnet zentrale Schnittstellen seiner Battlesuite-Plattform als Open Source. Die sogenannte „Battlesuite Interface Collection“ umfasst zunächst die Onboard- und die Tactical-API und steht Industriepartnern sowie Forschungseinrichtungen über GitHub frei zur Verfügung.
Der Konzern versteht das als Baustein seiner „Software-Defined Defence“-Strategie — ein Weg, um genau jene digital vernetzten Fähigkeiten voranzutreiben, die JPMorgan mit Skepsis betrachtet. An der Börse ging die Nachricht in der Analystenkritik unter.
Hinzu kommt ein politischer Belastungsfaktor. Der deutliche Sieg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und eine bundesweite Zustimmung von rund 28 Prozent nähren Zweifel an der Verlässlichkeit der Zeitenwende.
Die Partei befürwortet zwar eine Aufrüstung der Bundeswehr, lehnt aber Ukraine-Hilfen ab und hatte gegen das Sondervermögen gestimmt. Auch Aussagen von Wladimir Putin über eine mögliche Kooperationsbereitschaft der USA nähren Hoffnungen auf Friedensgespräche — und damit Zweifel an anhaltend hoher Munitionsnachfrage.
Die Branchenkollegen zeigen die gleiche Schwäche: RENK gibt zeitweise über zwei Prozent nach, HENSOLDT und TKMS notieren ebenfalls im Minus. Seit Jahresbeginn steht Rheinmetall mit rund 36 Prozent Minus als größter DAX-Verlierer da.
Der nächste belastbare Datenpunkt bleibt der Kapitalmarkttag im November. Dort muss der Konzern zeigen, ob sich Rekordaufträge tatsächlich in Umsatz und Ergebnis übersetzen lassen — oder ob sich die Befürchtungen von JPMorgan zum veränderten Produktmix bestätigen.
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