Rheinmetall treibt seine internationale Vernetzung in der Rüstungsindustrie voran. Der Konzern verhandelt aktuell mit Lockheed Martin über die Gründung eines Joint Ventures für ein europäisches Kompetenzzentrum zur Produktion und Integration des Raketensystems ATACMS. Erste Umsätze aus diesem Vorhaben werden für 2028 angestrebt.
Zwei transatlantische Partnerschaften parallel
Neben den Gesprächen mit Lockheed Martin hat Rheinmetall am Montag eine strategische Zusammenarbeit mit Boeing bekanntgegeben. Ziel ist die Integration der Jagdbomberdrohne MQ-28 Ghost Bat, auch als Collaborative Combat Aircraft bekannt, in die deutsche Luftwaffe.
Rheinmetall übernimmt dabei die Rolle des Systemintegrators für nationale Sensoren und Waffen. Beide Vorhaben zeigen, dass der Konzern sein Portfolio gezielt um hochkomplexe, technologisch anspruchsvolle Systeme erweitert und dabei auf US-amerikanische Partner setzt, statt Fähigkeiten allein im eigenen Haus aufzubauen.
Diese Kooperationen fügen sich in eine Serie von Aufträgen, die den Auftragsbestand des Konzerns zuletzt auf ein Rekordniveau getrieben haben. Erst am Montag hatte die europäische Beschaffungsbehörde Occar eine Option auf insgesamt 222 Boxer-Radschützenpanzer gezogen, von denen Rheinmetall und der Partner KNDS 69 zusätzliche Fahrzeuge für die Bundeswehr und die niederländische Armee fertigen.
Zuvor hatte bereits die britische Armee Waffenanlagen für die Radhaubitze RCH 155 im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bestellt, und die Bundeswehr orderte 56 schwere Sattelzugmaschinen des Typs Elefant 2 für rund 60,5 Millionen Euro brutto.
Kurs erholt sich nach Zahlenvorlage
An der Börse kommt die Mischung aus operativer Stärke und neuen Kooperationsprojekten inzwischen gut an. Die Aktie legte am heutigen Mittwoch um 2,1 Prozent zu und notiert bei 1.167,60 Euro, nachdem sie am Dienstag noch bei 1.143,60 Euro geschlossen hatte.
Auf Monatssicht steht ein Plus von 18,8 Prozent, was die Erholung von den Tiefs unterstreicht – zum 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro beträgt der Abstand mittlerweile 29,4 Prozent. Vom Rekordhoch bei 2.007,00 Euro aus dem Oktober bleibt das Papier allerdings noch deutlich entfernt.
Analysten sehen langfristiges Potenzial
Das RBC-Analysten Colin Moody hat die Bewertung von Rheinmetall mit einem „Outperform“-Rating neu aufgenommen und ein Kursziel von 1.600 Euro ausgegeben. Er prognostiziert bis 2030 ein durchschnittliches jährliches Ergebniswachstum beim EBITA von 35 Prozent. Warburg Research bestätigte am Montag nach den endgültigen Quartalszahlen die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 1.500 Euro.
Die neuen Rüstungsprojekte mit Lockheed Martin und Boeing verdeutlichen, dass Rheinmetall sein Wachstum nicht allein über Stückzahlen bei klassischen Landsystemen, sondern zunehmend über technologisch komplexere Kooperationen absichert.
Für Anleger bedeutet das: Der Konzern diversifiziert seine Wachstumstreiber über mehrere Jahre und mehrere Partner hinweg, auch wenn konkrete Umsatzbeiträge aus den jüngsten Vorhaben erst in den kommenden Jahren anfallen dürften.
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