Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris hat Rheinmetall gleich zwei Neuigkeiten präsentiert. Ein Joint Venture mit dem südkoreanischen Rüstungskonzern LIG Defense & Aerospace soll Lücken in der europäischen Luftverteidigung schließen. Parallel dazu zeigte der Düsseldorfer Konzern ein neues Drohnensystem — und im Hintergrund wächst der Druck durch ein stockendes Großprojekt.
Koreanische Raketen für Europa
Das neue Gemeinschaftsunternehmen, an dem Rheinmetall die Mehrheit hält, zielt auf den europäischen und NATO-Markt. Im Kern geht es um die Integration südkoreanischer Mittel- und Langstreckenraketen in bestehende Rheinmetall-Plattformen.
Das erklärte Ziel: kosteneffiziente Abfanglösungen für Gleitbomben und Raketen. Herkömmliche Flugabwehrraketen kosten oft mehr als eine Million Euro pro Schuss. Die neuen Systeme sollen im hohen fünfstelligen Bereich liegen. LIG D&A erzielte 2025 rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz und bringt Technologien ein, die Rheinmetalls Kurzstreckensysteme ergänzen.
Drohnen aus Neuss
Auf der Messe präsentierte Rheinmetall außerdem den Containerized Missile Launcher. Ein 20-Fuß-Standardcontainer dient dabei als mobile Abschussbasis für bis zu 18 Kamikaze-Drohnen des Typs FV-014. Die Drohne erreicht 100 Kilometer Reichweite, fliegt bis zu 70 Minuten und trägt vier Kilogramm Sprengladung. Schwarmstarts sind möglich — der Angriffsbefehl bleibt beim Menschen.
Den Produktionsstart plant Rheinmetall für das dritte Quartal 2026. Dafür rüstet der Konzern ein ehemaliges Automobilzulieferer-Werk in Neuss um.
MGCS: Frankreich könnte aussteigen
Weniger erfreulich ist die Lage beim deutsch-französischen Panzerprojekt MGCS. Der geplante Nachfolger für Leopard 2 und Leclerc verzögert sich auf 2040. Rheinmetall und KNDS Deutschland arbeiten informell bereits an einem „Leopard 3″ als Zwischenlösung.
Konzernchef Armin Papperger schloss einen Ausstieg Frankreichs aus dem Projekt nicht mehr aus. Das ist ein bemerkenswertes Signal — MGCS galt lange als strategischer Anker für die europäische Rüstungskooperation.
Diese Unsicherheit spiegelt sich im Kurs wider. Die Aktie schloss zuletzt bei 1.142,40 Euro — rund 29 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau. Der RSI liegt bei 36,3 und nähert sich damit dem überverkauften Bereich. Das 52-Wochen-Tief von 1.099,80 Euro ist nur noch knapp vier Prozent entfernt.
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