Rheinmetall richtet in Deutschland einen Integrations-Hub für die unbemannte Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat von Boeing ein. Ziel ist die Beschaffung durch die Bundeswehr im Rahmen des Programms für sogenannte Collaborative Combat Aircraft (CCA) bis 2029. Der Konzern übernimmt dabei die Rolle des Systemintegrators und bindet deutsche Sensorik, Bewaffnung und Missionssoftware in die Plattform ein.
Deutsche Partner für die Integration
An dem Vorhaben sind Rohde & Schwarz, Diehl Defence und HENSOLDT beteiligt. Die MQ-28 Ghost Bat fliegt mit bis zu Mach 0,9 und erreicht laut Herstellerangaben eine Reichweite von mehr als 2.000 nautischen Meilen. Die Drohne hat bereits an der Übung Valiant Shield teilgenommen und gilt als vergleichsweise ausgereift.
Als Konkurrenzmodelle für die künftige CCA-Beschaffung der Luftwaffe stehen unter anderem die XQ-58A von Airbus und Kratos, die CA-1 von Helsing sowie die YFQ-42A von General Atomics im Rennen. Rheinmetall positioniert sich mit dem Hub als deutscher Ankerpunkt für ein System, das sowohl Luft-Luft- als auch Luft-Boden-Einsätze unterstützen soll.
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der die Ausrichtung der deutschen Verteidigungsausgaben politisch diskutiert wird. Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, kritisierte Verteidigungsminister Pistorius dafür, zu viel Geld in Panzer, Schiffe und Personal zu stecken, und forderte stattdessen mehr Investitionen in Drohnen, künstliche Intelligenz und Robotik. Er verlangte zudem einen zentralen Rüstungskoordinator im Kanzleramt.
Das Verteidigungsministerium wies die Kritik zurück und verwies darauf, dass die Bundeswehr bis 2029 abwehrbereit sein müsse; für Digitalisierung seien 20 Milliarden Euro, für Weltraum-Infrastruktur 35 Milliarden Euro vorgesehen.
Insgesamt stehen bis 2030 rund 700 Milliarden Euro für die Modernisierung der Bundeswehr im Raum. Für Rheinmetall bedeutet die Debatte, dass der Konzern mit dem Ghost-Bat-Vorstoß genau jenen Bereich adressiert, den Kritiker bislang vernachlässigt sehen.
Analysten uneins über weiteres Potenzial
Am Aktienmarkt bleibt das Bild gespalten. Goldman Sachs sieht mit einem Kursziel von 2.300 Euro das größte Aufwärtspotenzial, während JPMorgan mit einer neutralen Einstufung und einem Kursziel von 1.350 Euro deutlich zurückhaltender ist.
Weitere Häuser wie Warburg Research, Deutsche Bank, UBS und Jefferies siedeln ihre Kursziele zwischen 1.300 und 1.800 Euro an – die Bandbreite der Einschätzungen reicht damit von vorsichtig optimistisch bis sehr bullish. Gestützt wird die positivere Sicht unter anderem durch die zuletzt gestiegene Marge im Rüstungsgeschäft, die im zweiten Quartal um 3,1 Prozentpunkte zulegte.
An der Börse notierte die Rheinmetall-Aktie am Montag bei 1.144,60 Euro und büßte damit im Tagesvergleich nur marginal ein. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von gut 16 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass sich das Papier von den Tiefs der vergangenen Wochen erholt hat. Zum 52-Wochen-Hoch von Anfang Oktober klafft mit knapp 43 Prozent allerdings weiterhin eine deutliche Lücke, was zeigt, wie stark die Korrektur seither ausgefallen ist.
Der Vorstoß bei bemannt-unbemannten Kampfsystemen ergänzt das bestehende Portfolio aus Landsystemen und Munition um ein Segment, das im politischen Diskurs zunehmend an Gewicht gewinnt. Ob sich die Bundeswehr am Ende tatsächlich für die MQ-28 Ghost Bat entscheidet, bleibt angesichts der Konkurrenzangebote offen.
Für Rheinmetall ist die Positionierung als deutscher Systemintegrator jedoch ein strategischer Baustein mit Blick auf die für 2029 angestrebte operative Fähigkeit der Luftwaffe im Drohnenbereich.
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