Rheinmetall hat am 23. Juli 2026 in Aschau am Inn den Grundstein für den Ausbau seiner Pulverfabrik gelegt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Staatssekretär Schmid und Wirtschaftsminister Aiwanger nahmen an der Zeremonie teil. Der Standort soll zu einer der größten und modernsten Pulverfabriken Europas werden.
Investitionsprogramm mit unterschiedlichen Zahlen
Nach Unternehmensangaben investiert Rheinmetall 350 Millionen Euro direkt in den Standort Aschau, eingebettet in ein konzernweites Pulverprogramm von insgesamt 650 Millionen Euro. Ziel ist eine Jahreskapazität von 20.000 Tonnen Treibladungspulver bis 2030, davon 4.200 Tonnen aus Aschau. Das Grundstück wurde von 90 auf 110 Hektar erweitert, die Belegschaft soll von rund 800 auf 1.300 Mitarbeiter wachsen. Aktuell produziert das Werk 1.700 Tonnen Pulver und 300.000 Treibladungsmodule jährlich, ab 2027 startet die schrittweise Erweiterung, die volle Kapazität soll 2028 erreicht sein – dann mit über einer Million Modulen und fünf Millionen Formteilen.
Handelsblatt beziffert das Ausbauvolumen unter dem Projektnamen „Firepower“ auf rund 500 Millionen Euro und nennt einen Belegschaftsanstieg von 850 auf über 1.400 Beschäftigte. Die Zeitung berichtet zudem von einer geplanten Jahresproduktion von 750.000 Treibladungen für Artillerie. Die unterschiedlichen Summen und Personalzahlen dürften unterschiedliche Abgrenzungen widerspiegeln – reine Standortinvestition versus Gesamtausbauprogramm.
Papperger: Werk entscheidend für Nato-Fähigkeit
Konzernchef Papperger ordnete die Bedeutung des Werks in deutlichen Worten ein: „Ohne dieses Werk wäre die Nato nicht kampffähig.“ Aschau beliefert künftig auch die Werke in Unterlüß, Litauen, Lettland und Ungarn, wichtigster Abnehmer bleibt die Ukraine. Staatssekretär Schmid verwies laut Handelsblatt darauf, dass die Ukraine täglich mehrere Tausend Schuss Kaliber 155 Millimeter verbraucht.
Rheinmetall will die Jahresproduktion an Artilleriegranaten bis 2030 auf 1,5 Millionen Stück steigern – vor Beginn des Ukraine-Kriegs lag der Wert bei lediglich 70.000. Der Umsatz mit Munition soll dem Bericht zufolge von 3,5 Milliarden auf 10 bis 15 Milliarden Euro klettern. Um die Abhängigkeit von chinesischer Nitrozellulose zu senken, baut der Konzern Lagerbestände für vier Jahre auf und erschließt neue Bezugsquellen in der Türkei und den USA. Berichten zufolge könnte der Auftragsbestand des Konzerns auf über 100 Milliarden Euro steigen; zudem prüft Rheinmetall eine Übernahme der German Naval Yards Kiel, eine Entscheidung dazu wird in wenigen Wochen erwartet.
Spionagewarnung und Kursbild
Der Ausbau in Aschau fällt in eine Phase erhöhter Wachsamkeit gegenüber der Rüstungsbranche. Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnte laut Handelsblatt Rüstungsfirmen vor russischer Spionage und Sabotage, mit Verweis auf Sabotageakte gegen die Bahn in Polen und eine entdeckte Kamera nahe einem Pionierbrückenbataillon in Minden. Rheinmetall-Chef Papperger steht demnach bereits unter besonderem Schutz, das russische Verteidigungsministerium soll eine Liste mit 21 europäischen Unternehmen geführt haben.
An der Börse zeigt sich das Papier zuletzt uneinheitlich. Die Rheinmetall-Aktie notiert bei 1.023,20 Euro und legt am Berichtstag um 0,89 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 6,56 Prozent zu Buche, nachdem der Titel Ende Juni mit 902,50 Euro sein 52-Wochen-Tief markiert hatte – aktuell liegt der Kurs 13,37 Prozent darüber. Der Erholungsansatz ändert wenig am Gesamtbild des Jahres: Die Aktie hat 2026 deutlich verloren, wie auch in Marktberichten festgehalten wird. Im Vergleich dazu legten US-Rüstungskonzerne zuletzt Zahlen vor, die Anleger euphorisch aufnahmen: Lockheed Martin übertraf mit einem Gewinn je Aktie von 7,94 US-Dollar den Konsens von 7,19 US-Dollar deutlich und hob die Prognose an, RTX steigerte den Nettogewinn um 29 Prozent und erhöhte ebenfalls sein Umsatzziel für 2026. Beide Aktien sprangen nach den Zahlen kräftig nach oben – ein Kontrast, der die Erwartungshaltung an Rheinmetalls eigene Zahlenvorlage zusätzlich schärft.
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