Die Bundeswehr hat sich gegen Rheinmetall entschieden. Das Fregatten-Programm F126 geht an Wettbewerber TKMS. Für den Rüstungskonzern bedeutet das einen erwarteten Umsatzausfall von bis zu 300 Millionen Euro im Jahr 2026 – und eine neue Unsicherheit an der Börse.
Die Aktie notiert aktuell bei 1.092,20 Euro, ein Minus von 1,21 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 31,80 Prozent zu Buche. Trotzdem liegt der Kurs noch 21,02 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das erst am 25. Juni erreicht wurde.
Der Nomination-Dämpfer
Mit der Fregatten-Absage korrigiert Rheinmetall auch seine Erwartung beim Auftragseingang, intern „Nomination“ genannt. Ursprünglich sollte dieser Wert im zweiten Quartal 2026 rund 20 Milliarden Euro erreichen. Jetzt rechnet der Konzern nur noch mit einem niedrigen zweistelligen Milliarden-Betrag.
Am 6. August will das Management Klarheit schaffen. Dann legt Rheinmetall detaillierte Zahlen vor und zeigt, wie stark die Jahresziele 2026 tatsächlich leiden.
Die entscheidende Frage lautet: Kann das Kerngeschäft in Munition und Landsystemen den Ausfall im Marine-Bereich auffangen? Das F126-Programm hätte bis 2030 ohnehin weniger als 3 Prozent zum Konzernumsatz beigetragen. Trotzdem gilt die Nomination als wichtigster Frühindikator für die Marktkapitalisierung von aktuell 49,06 Milliarden Euro.
Bullisches Szenario: Munition als Wachstumsmotor
Das operative Geschäft läuft trotz des Rückschlags weiter auf hohen Touren. Für das zweite Quartal erwarten Analysten von Barclays ein Umsatzwachstum von 59 Prozent auf fast 3,1 Milliarden Euro. Ein Treiber: Rheinmetall hat seine Kapazität bei Artilleriemunition von 70.000 auf 1 Million Schuss ausgebaut.
Sollte der angekündigte Boxer-Deal zusammen mit der starken Munitionsnachfrage den Fregatten-Verlust volumenmäßig übertreffen, könnte sich die aktuelle Schwäche als Einstiegschance erweisen. Die Deutsche Bank sieht genau dieses Szenario und nennt ein Kursziel von 1.800 Euro. Der Kurs liegt derzeit 8,76 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.197,05 Euro – eine erste Stabilisierung wäre demnach möglich.
Bärisches Szenario: Strukturelle Bremsspuren
Das Risiko liegt in einer möglichen Ausweitung der Auftragsflaute bei deutschen Regierungsprojekten. JPMorgan hat die EPS-Schätzungen bis 2030 bereits gesenkt. Als Gründe nennen die Analysten langsamere Vergabeprozesse und technologische Veränderungen, die das Ausführungsrisiko erhöhen.
Sollte die Bundesregierung künftig stärker auf Preisdisziplin pochen, drohen zusätzlich Margen unter Druck zu geraten. Der Kurs notiert bereits 29,03 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.538,87 Euro. Bleiben auch in anderen Segmenten die Auftragseingänge hinter den Erwartungen zurück, könnte die Aktie das 52-Wochen-Tief erneut testen.
Ausblick: Entscheidung am 6. August
Zwei Szenarien stehen sich gegenüber. Hält die Unterstützung bei 902,50 Euro und bestätigt sich das Q2-Umsatzplus von über 60 Prozent, spricht das für eine Erholung. Senkt Rheinmetall am 6. August offiziell die Jahresprognose 2026, dürfte der Druck auf die Bewertung anhalten.
Die Volatilität von 69,33 Prozent zeigt: Bis zur Klärung bleiben heftige Kursschwankungen wahrscheinlich. Bereits jetzt haben zwei Häuser ihre Kursziele gesenkt – die Deutsche Bank von 2.100 auf 1.800 Euro, Barclays auf 2.000 Euro. Ob weitere Analysten nachziehen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen, spätestens aber mit den detaillierten Zahlen am 6. August.
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