Rheinmetall steht vor einer Handelswoche, in der aus großen Ankündigungen endlich belastbare Verträge werden könnten. Der Konzern stellt Marine- und Fahrzeugaufträge in Aussicht, die das laufende Quartal prägen sollen. Genau hier liegt der Kernkonflikt: Die Auftragsfantasie ist da, der Markt verlangt Belege.
Die Aktie schloss am Freitag bei 1.221,40 Euro und liegt damit 9,25 Prozent über dem Tief vom 13. Mai. Auf Monatssicht bleibt trotzdem ein Minus von 14,42 Prozent, seit Jahresanfang steht ein Rückgang von 23,73 Prozent.
Das Quartal muss liefern
Konzernchef Armin Papperger hat die Erwartungen für das laufende Quartal spürbar angehoben. Im Earnings Call stellte er Nominierungen von rund 20 Milliarden Euro in Aussicht, darunter ein Lynx-Programm in Rumänien, ein Kampfpanzerprogramm in Italien und der Fregattenvertrag F126.
Das ist der Punkt, an dem die Börse genauer hinsieht. Rheinmetall hat volle Bücher und starke politische Rückenwinde. Was zuletzt fehlte, waren schnellere Umsetzungen in verbindliche Aufträge, Umsatz und Cashflow.
F126 wird zum Prüfstein
Das deutsche Fregattenprogramm könnte zum wichtigsten Einzelereignis werden. Papperger sagte, Rheinmetall könne den Vertrag zur Übernahme des verzögerten F126-Programms bereits im laufenden Quartal unterzeichnen. Ein Abschluss noch vor der Sommerpause gilt damit als möglich.
Einem Medienbericht zufolge fordert Rheinmetall rund zwölf Milliarden Euro vom Bund. Die Gesamtkosten des Programms würden damit auf etwa 14 Milliarden Euro steigen.
Der Bund hatte bereits zwei Milliarden Euro für den Anlauf bereitgestellt. Ursprünglich sollte die niederländische Damen-Werft die Schiffe bauen, nun soll die im März übernommene Werft NVL als Generalunternehmer einspringen.
Rumänien wartet auf Freigabe
Auch Rumänien könnte zum Kurstreiber werden. Das Verteidigungsministerium hat Rheinmetalls Lynx-Schützenpanzer ausgewählt, um ältere sowjetische Fahrzeuge zu ersetzen. Das geplante Vorhaben ist auf rund 3,4 Milliarden Euro veranschlagt.
Bukarest will das Paket über EU-SAFE-Kredite finanzieren. Die entsprechende Projektliste liegt dem rumänischen Parlament seit dem 29. April zur Genehmigung vor.
Die Rheinmetall zugeordneten Projekte summieren sich auf 4,5 Milliarden Euro. Davon entfallen 2,6 Milliarden Euro auf die Beschaffung von 232 Lynx-Schützenpanzern. Öffentlich bekannte Zeitpläne oder vertragliche Vereinbarungen gibt es bislang nicht.
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Arminius bleibt der große Hebel
Noch größer ist das Bundeswehr-Programm „Arminius“. Es umfasst mehr als 3.000 Panzerfahrzeuge und könnte ein Gesamtvolumen von bis zu 40 Milliarden Euro erreichen. Experten schätzen Rheinmetalls möglichen Anteil auf rund 22 Milliarden Euro.
Eine Entscheidung könnte noch in der ersten Jahreshälfte fallen. Für 2026 wird ein Festauftrag über 12 bis 12,5 Milliarden Euro erwartet.
Die Vorauszahlung könnte bei 20 bis 30 Prozent liegen. In diesem Fall würde die tatsächliche Free-Cashflow-Conversion deutlich über den kommunizierten 40 Prozent liegen.
Analysten bleiben trotz Kürzungen positiv
Die Kurszielsenkungen zeigen, dass die Euphorie abgekühlt ist. UBS reduzierte das Ziel von 2.200 auf 1.600 Euro, behielt aber die Einstufung „Buy“ bei.
Jefferies kappte das Kursziel von 2.220 auf 1.890 Euro. Auch hier blieb die Kaufempfehlung bestehen.
Barclays sieht die jüngste Korrektur in Teilen des europäischen Rüstungssektors als übertrieben an. Die Bank verweist darauf, dass der langfristige Ausgabenzyklus in Europa intakt bleibt und Rheinmetall weiter zu den klaren Profiteuren zählt.
Operativ ist die Ausgangslage solide. Im Auftaktquartal stieg der Umsatz um 8 Prozent, das operative Ergebnis legte um 17 Prozent zu, der Auftragsbestand erreichte 73 Milliarden Euro.
Die schwächere Stimmung hängt daher weniger an der Nachfrage. Sie hängt an der Geschwindigkeit, mit der Rheinmetall Projekte in Ergebnisbeiträge verwandelt.
Für das Gesamtjahr bleibt der Vorstand bei seiner Prognose. Der Umsatz soll 14 bis 14,5 Milliarden Euro erreichen, die operative Marge soll bei 19 Prozent liegen.
In der kommenden Handelswoche zählen damit vor allem konkrete Vertragsfortschritte. Ein unterschriebener F126-Deal oder die parlamentarische Freigabe in Rumänien würden zeigen, dass aus den großen Programmen tatsächlich kurzfristig belastbare Aufträge werden.
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