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Rheinmetall Aktie: F126-Stornierung senkt Umsatzprognose

Rheinmetall kappt wegen der F126-Stornierung die Jahresziele, meldet aber starke Halbjahreszahlen. Analysten reagieren mit Kurszielsenkungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzprognose für 2026 reduziert
  • Halbjahresumsatz steigt um 39 Prozent
  • Analysten stufen Aktie auf Sell herab
  • Boxer-Vertrag mit Bundeswehr erwartet

Rheinmetall hat am Donnerstag seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt – eine direkte Folge der Stornierung des milliardenschweren F126-Fregattenprojekts durch das Bundesverteidigungsministerium. Der Rüstungskonzern rechnet nun mit einem Konzernumsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro, an beiden Rändern der Spanne 300 Millionen Euro weniger als bisher geplant.

Die operative Marge soll trotzdem bei rund 19 Prozent liegen. Anleger reagierten prompt: Die Aktie schloss am Donnerstag 3,46 Prozent leichter bei 1.159,00 Euro.

Rekordzahlen trotz Prognosesenkung

Der Kursrückgang wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, denn die Halbjahreszahlen fielen deutlich besser aus als im Vorjahr. Der Konzernumsatz stieg um 39 Prozent auf 5.227 Millionen Euro, nach 3.749 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis kletterte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro, allein im zweiten Quartal legte es um 115 Prozent von 262 auf 562 Millionen Euro zu. Konzernweit wuchs der Auftragsbestand um 44 Prozent auf 80.467 Millionen Euro, der Anteil fest fixierter Aufträge stieg dabei von 58 auf 70 Prozent.

Allerdings belastete ein gezielter Lagerbestandsaufbau den Cashflow deutlich. Der operative Free Cashflow lag im zweiten Quartal bei minus 1.331 Millionen Euro, für das gesamte erste Halbjahr bei minus 1.616 Millionen Euro. Das Working Capital stieg dabei um 324 Prozent auf 1.913 Millionen Euro. Konzernchef Papperger verteidigte die Strategie: Man brauche diese Güter auf Lager, sonst sei Wachstum schlicht unmöglich.

Analysten reagieren zurückhaltend

Das Analysehaus mwb research stufte die Aktie am Freitag von „Hold“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro. Als Begründung nannte es die gesenkte Umsatzprognose sowie eine Halbierung der geplanten Investitionsquote auf 8 bis 9 Prozent vom Umsatz.

Seit der Prognosesenkung steht der Kurs unter Druck: Binnen einer Woche verlor das Papier 4,28 Prozent und notiert aktuell bei 1.137,40 Euro. Der Titel liegt damit rund 21,86 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der langfristige Aufwärtstrend gebrochen ist.

Der Rückgang reiht sich in einen branchenweiten Trend ein. CNBC berichtete, dass Rheinmetall-Aktien über die vergangenen fünf Jahre um mehr als 1.000 Prozent gestiegen sind, vor dem Donnerstag aber bereits 25 Prozent im Minus lagen – ein ähnliches Muster zeigte sich bei den europäischen Rüstungswerten BAE Systems, Saab und Thales.

Der kleinere deutsche Peer Renk meldete am selben Tag seinen bislang stärksten Auftragseingang und einen um 30 Prozent gestiegenen Backlog auf 7,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr.

Ausblick: Boxer-Vertrag und Übernahmepläne

Trotz der Rückschläge bleibt Rheinmetall offensiv aufgestellt. Papperger sagte am Freitag gegenüber Reuters, er erwarte bis Jahresende einen milliardenschweren Boxer-Vertrag mit der Bundeswehr, da derzeit „absolut nichts im Weg“ stehe.

Zudem bekräftigte er das Interesse an einer Übernahme des Militär-Lkw-Geschäfts von Iveco, das derzeit zu Leonardo gehört. Künftige Gespräche hingen jedoch vom neuen Leonardo-Chef Lorenzo Mariani ab – mit dessen Vorgänger habe es bereits eine mündliche Vereinbarung gegeben.

Parallel dazu treibt Rheinmetall die im Vormonat vereinbarte Kooperation mit Lockheed Martin voran. Die beiden Unternehmen wollen im Werk Unterlüß gemeinsam ATACMS-Raketen produzieren, die Produktionsanlagen sollen im kommenden Jahr aufgebaut werden.

Erste Umsätze aus dem Gemeinschaftsunternehmen erwartet Rheinmetall erst für 2028. Papperger betonte laut Reuters, der Hochlauf brauche Zeit – ausreichende Kapazitäten zur Auffüllung der durch den Iran-Konflikt geschrumpften US-Militärbestände würden nicht innerhalb von zwei Jahren entstehen.

Am 3. August hatte Rheinmetall zudem die GMF 140 vorgestellt, eine 140 Meter lange Lenkwaffenfregatte mit über 6.000 Tonnen Verdrängung. Das Schiff zielt zunächst auf nordamerikanische Beschaffungsprogramme, bevor der Vertrieb auf NATO- und Partnerflotten ausgeweitet werden soll – ein möglicher neuer Absatzmarkt, nachdem das F126-Geschäft an den Konkurrenten TKMS verloren ging.

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Diskussion zu Rheinmetall

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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