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Rheinmetall Aktie: F126-Aus drückt Auftragsziel

Rheinmetall kappt wegen des gestrichenen Fregattenprogramms F126 die Jahresprognose, meldet aber starke Halbjahreszahlen mit deutlichem Umsatz- und Ergebniswachstum.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzziel für 2026 gesenkt
  • F126-Streichung als Hauptgrund
  • Halbjahresumsatz steigt um 39 Prozent
  • Analysten mit unterschiedlichen Kurszielen

Rheinmetall hat die Wachstumserwartungen für das laufende Geschäftsjahr eingedampft. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern kappte am Donnerstag die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht standen. Auslöser war die endgültige Streichung des Fregattenprogramms F126 durch das Bundesministerium der Verteidigung. Der Kurs reagierte am Freitag mit einem moderaten Rückgang von 0,26 Prozent auf 1.147,00 Euro – auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 7,86 Prozent zu Buche.

Starke Halbjahreszahlen trotz Prognosesenkung

Operativ lief das Geschäft im ersten Halbjahr deutlich besser als im Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 39 Prozent auf 5,227 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte sogar um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro zu. Die operative Marge verbesserte sich von 12,1 auf 15,0 Prozent. Bereits Ende Juli hatte Rheinmetall in einer Ad-hoc-Mitteilung vorläufige Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht: Der Umsatz stieg um 69 Prozent auf rund 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis erreichte 562 Millionen Euro und lag damit deutlich über den Markterwartungen von 470 Millionen Euro.

Neben der Umsatzprognose musste der Konzern auch das Ziel für den sogenannten Rheinmetall Backlog – den Auftragsbestand einschließlich Rahmenverträge – zurücknehmen. Statt der zuvor avisierten rund 135 Milliarden Euro peilt das Unternehmen nun einen Bestand von über 100 Milliarden Euro für das laufende Jahr an. Der Wegfall des F126-Programms schlägt damit sowohl auf die Umsatz- als auch auf die Auftragsseite durch, während das operative Geschäft in den bestehenden Segmenten weiter kräftig zulegt.

Analysten uneins über Tragweite

Die Reaktionen der Investmentbanken auf die Prognosesenkung fallen unterschiedlich aus. Goldman Sachs bestätigte am Freitag die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 2.300 Euro und bezeichnete die operativen Halbjahreszahlen als stark. JPMorgan äußerte sich deutlich zurückhaltender: Das Bankhaus sieht nach der Prognosesenkung „Klärungsbedarf“ und setzt das Kursziel mit 1.350 Euro erheblich niedriger an.

Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich weitere Einschätzungen vom Freitag. Die Deutsche Bank bekräftigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.800 Euro und wertete die gesenkte Umsatzprognose primär als Ausdruck einer konservativeren Planung. UBS-Analyst Sven Weier bestätigte das Rating „Buy“ mit einem Kursziel von 1.600 Euro, räumte aber Enttäuschung über das reduzierte Auftragsziel ein. Bereits am Donnerstag hatte Jefferies das „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 1.300 Euro bekräftigt. Die Spannbreite der Kursziele zwischen 1.300 und 2.300 Euro zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das F126-Aus im Verhältnis zum übrigen Geschäft gewichten.

Neue Aufträge sollen Lücke füllen

Rheinmetall arbeitet bereits an Kompensation für den Wegfall des Fregattenprogramms. Am 3. August stellte der Konzern offiziell die neue Fregatten-Generation „GMF 140“ vor. Laut Handelsblatt bewirbt sich Rheinmetall mit diesem Schiffstyp um einen Milliardenauftrag der US Navy, um den Ausfall des deutschen Programms auszugleichen.

Auch andere Konzernbereiche meldeten zuletzt neue Geschäfte. Die US-Tochter American Rheinmetall erhielt Ende Juli von der US Army einen Entwicklungsauftrag für autonome unbemannte Bodenfahrzeuge im Rahmen des „Project Sustainment“. Das Gemeinschaftsunternehmen ARTEC, an dem Rheinmetall zusammen mit KNDS beteiligt ist, sicherte sich von der British Army einen Lieferauftrag über 72 Waffenanlagen für die Radhaubitze RCH 155 – der Rheinmetall-Anteil daran bewegt sich im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Anleger richten den Blick nun auf den Auftritt des Managements beim DZ Bank Expert Day am 27. August sowie auf den Bericht zum dritten Quartal, der für den 5. November angesetzt ist. Beide Termine dürften zeigen, ob die neuen Aufträge aus den USA und Großbritannien die durch das F126-Aus entstandene Lücke tatsächlich schließen können.

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Diskussion zu Rheinmetall

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.