Rheinmetall meldet einen operativen Erfolg: Die erste Ladung Artilleriemunition aus dem neuen Werk Niedersachsen in Unterlüß erreicht die Ukraine. Der Aktienkurs zeigt sich davon unbeeindruckt und bleibt unter Druck. Operatives Wachstum und Börsenbewertung laufen derzeit auseinander.
Erste Munition aus Unterlüß geht an die Ukraine
Die Lieferung umfasst 155mm-Artilleriegeschosse vom Typ RH1412. Es ist das neueste Produkt aus dem Artillerieportfolio des Konzerns. Dazu kommen Treibladungen aus anderen Werken im Produktionsnetzwerk. Die Stückzahl bewegt sich im niedrigen fünfstelligen Bereich.
Mehr als die Hälfte des Auftrags hat Rheinmetall bereits ausgeliefert. Der Rest soll bis Ende 2026 folgen. Die Geschosse passen in verschiedene 155mm-Waffensysteme und bieten hohe Reichweite.
Kapazitätsausbau als Antwort auf die Nachfrage
Rheinmetall baut seine Fertigung seit 2022 massiv aus. Grund ist die gestiegene Nachfrage nach Munition im Zuge der Ukraine-Unterstützung. Bis 2030 will der Düsseldorfer Konzern jährlich rund 1,5 Millionen 155mm-Geschosse produzieren.
Diese Ausbaupläne sichern nicht nur Lieferungen an die Ukraine. Sie stärken auch die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und seiner Verbündeten.
Weitere Aufträge: Großbritannien, Bundeswehr und Düsseldorf
Rheinmetall treibt parallel mehrere Zukunftsprojekte voran:
- 13. Juli 2026: Großauftrag der britischen Armee im Wert von knapp einer Milliarde Euro. Rheinmetall Electronics UK digitalisiert im Omnia-Konsortium die Gefechtsausbildung. Das Projekt läuft 15 Jahre und sichert Arbeitsplätze in Großbritannien.
- 14. Juli 2026: Übernahme der Gesamtverantwortung für InterRoC VII, ein Forschungsprojekt des BAAINBw. Rheinmetall testet hochautomatisierte Militärkonvois aus verschiedenen Fahrzeugtypen. Der Konzern folgt damit auf erfolgreiche Tests in der Schweiz und Platz eins bei der ELROB 2026.
- 13. Juli 2026: Start eines Praxistests für teleoperierte Shuttle-Fahrzeuge am Düsseldorfer Flughafen. Die Rheinmetall-Tochter MIRA setzt das Projekt gemeinsam mit Rheinbahn und Flughafen um.
Aktienkurs bleibt unter Druck
Trotz der starken Auftragslage fällt die Aktie weiter. Am Dienstag schloss das Papier bei 977,90 Euro. Binnen sieben Handelstagen verlor der Kurs 8,04 Prozent, in 30 Tagen 14,26 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 38,94 Prozent zu Buche. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt der Rückgang 46,72 Prozent.
Vom Rekordhoch bei 1.995,00 Euro aus dem September 2025 trennen die Aktie inzwischen 50,98 Prozent.
Nach unten bleibt dagegen noch etwas Luft.
Zum 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro vom 25. Juni 2026 verbleiben noch 8,35 Prozent Puffer.
Auch die technischen Indikatoren zeichnen ein gemischtes Bild. Der RSI von 36,0 deutet auf eine überverkaufte Situation hin, die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 68,94 Prozent.
Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt -15,12 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt -35,25 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 46,23 Milliarden Euro.
Bis Ende 2026 soll der Rest der Ukraine-Lieferung folgen. Der Milliardenauftrag aus Großbritannien läuft über die nächsten 15 Jahre. Die operative Auftragslage bleibt damit gut gefüllt, auch wenn der Kurs das aktuell nicht widerspiegelt.
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