Fünf Umsatz- oder Gewinnwarnungen in elf Monaten: Diese Bilanz hat Rheinmetall nun erreicht. Nach der neuerlichen Prognosesenkung vom Mittwochabend brach die Aktie am Donnerstagmorgen um bis zu 18,5 Prozent ein und fiel auf knapp 819 Euro. Das ist der tiefste Stand seit Februar 2025, während der DAX auf sein Rekordhoch zusteuert.
Gute Zahlen, gekappte Ziele
Das Paradoxe: Das dritte Quartal lief operativ stark. Der Umsatz stieg um fast ein Drittel auf 3,15 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro zu. Die Marge verbesserte sich auf 17,5 Prozent und lag damit klar über den Erwartungen.
Der Umsatz verfehlte allerdings die Prognosen, auch beim bereinigten Gewinn je Aktie blieb Rheinmetall hinter dem Konsens zurück. Der operative Free Cashflow fiel mit minus 82 Millionen Euro negativ aus.
Entscheidend ist der Ausblick. Für 2026 erwartet der Konzern nur noch rund 13,2 Milliarden Euro Umsatz, zuvor waren es 13,7 bis 14,2 Milliarden. Die operative Marge soll bei etwa 18,5 statt 19 Prozent liegen.
Die Ursachen: Das Boxer-Projekt Arminius der Bundeswehr verzögert sich, der Auftrag wird erst 2027 erwartet. Hinzu kommen Verspätungen bei der Abnahme von Artilleriemunition, Umsätze rutschen ins nächste Jahr. Die Cash-Conversion, zuvor mit über 40 Prozent angepeilt, liegt jetzt bei gut null, weil die Anzahlungen für Arminius ausbleiben.
Eine Ausnahme gibt es: Im Bereich Luftverteidigung hebt Rheinmetall die Umsatzprognose auf 1,0 bis 1,1 Milliarden Euro an.
Analysten werden vorsichtiger
JPMorgan senkt das Kursziel von 1.350 auf 1.150 Euro und bleibt bei „Neutral“. Analyst David Perry bezweifelt, dass die Ziele für die zahlreichen Gemeinschaftsunternehmen erreichbar sind. Die Strategie sei nicht falsch, die bisherigen Vorgaben aber wohl unrealistisch. Auch die Ziele für 2030 dürften nach seiner Einschätzung sinken, vermutlich deutlich.
Citigroup setzt das Ziel auf 1.374 Euro und bleibt beim Kaufvotum, weil sie die Enttäuschung für eine reine Verzögerung hält. Jefferies beließ es bei „Buy“ und 1.350 Euro, zeigte sich aber vom Ausmaß der Kürzung überrascht. RBC nannte die Nachricht „klar negativ“ und sieht die Gefahr, dass sie die Debatte über klassische Rüstungstechnik gegenüber neuen Technologien anheizt.
Die Bilanz belastet zusätzlich. Die Nettofinanzschulden lagen Ende September bei 2,90 Milliarden Euro, Ende 2025 hatte der Konzern noch Nettoliquidität. Der Lageraufbau frisst Geld.
Der nächste Prüfstein steht fest: Am 27. November findet der Kapitalmarkttag statt. Dort muss Rheinmetall zeigen, wie belastbar die Mittelfristziele noch sind.
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