Rheinmetall steigt am Montag um 1,64 Prozent auf 1.115,00 Euro. Der Kurs liegt damit über dem Freitagsschluss von 1.097,00 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 14,65 Prozent zu Buche. Erst am 25. Juni 2026 hatte die Aktie bei 902,50 Euro ihr 52-Wochen-Tief markiert.
Auslöser des vorangegangenen Absturzes: Das Bundesverteidigungsministerium strich das Fregattenprogramm F126. Der Auftrag ging stattdessen an Wettbewerber TKMS. Rheinmetall hatte für genau dieses Programm eigens den Schiffbauer NVL übernommen. Diese Strategie ist damit vorerst gescheitert. Zusätzlich senkte der Konzern seine Erwartungen für den Auftragseingang im zweiten Quartal 2026.
Die entscheidende Marke
Ob die Erholung anhält oder nur eine Verschnaufpause im Abwärtstrend bleibt, entscheidet eine klare technische Linie. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.192,56 Euro. Der Aktie fehlen aktuell noch 6,50 Prozent bis dorthin. Eine nachhaltige Rückeroberung dieser Marke wäre ein technisches Kaufsignal. Scheitert der Versuch, droht der Rückfall Richtung Jahrestief.
Der RSI von 48,7 zeigt eine neutrale Lage ohne klare Richtung. Nach oben wie nach unten bleibt Spielraum. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 69,33 Prozent bleibt außergewöhnlich hoch – der Markt rechnet weiter mit kräftigen Ausschlägen.
Bullisches Szenario
Für eine Fortsetzung der Erholung spricht zunächst die Wucht der jüngsten Kursreaktion. Anleger ordnen den F126-Rückschlag offenbar zunehmend als Einzelereignis ein, nicht als strukturelles Problem.
Der Auftragsbestand des Konzerns erreichte Ende März einen Rekordwert von 73 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert: Das gestoppte Fregattenprogramm war laut Berichten in diesen Büchern gar nicht verbucht. Das deutet auf eine mögliche Überreaktion des Marktes hin.
Auch operativ diversifiziert Rheinmetall weiter. Der Konzern hat die Mehrheitsübernahme von DOK-ING abgeschlossen. Aus Rumänien kommt zusätzlich ein Auftrag über 5,7 Milliarden Euro. Vorstandschef Armin Papperger kaufte Ende Juni privat Aktien im Wert von mehr als drei Millionen Euro – Marktbeobachter werten das als Vertrauenssignal des Managements.
Für das zweite Quartal 2026 stellt der Konzern ein Umsatzwachstum von über 60 Prozent in Aussicht. Die strukturelle Nachfrage im europäischen Rüstungssektor bleibt intakt. Deutschland erhöht seinen Verteidigungshaushalt 2026 auf 108 Milliarden Euro. Die EU hat ihr „Rearm Europe“-Programm mit einem Volumen von 800 Milliarden Euro gestartet. Das neue NATO-Ziel bewegt sich in Richtung 3,5 bis 5 Prozent des BIP.
Bärisches Szenario
Dagegen steht ein gewichtiges Gegenargument. Der Kurs liegt noch 44,11 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem September 2025. Diese Neubewertung geht weit über den F126-Rückschlag hinaus.
Der Markt reagiert derzeit extrem nervös auf Signale aus den Ukraine-Verhandlungen. Der direkte Ukraine-Umsatzanteil bleibt zwar überschaubar. Einzelne Verhandlungsmeldungen lösten trotzdem bereits deutliche Tageseinbrüche aus.
Die F126-Streichung hat bereits finanzielle Spuren hinterlassen. Rheinmetall rechnet für das zweite Quartal 2026 nun mit einem Auftragseingang im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich. Ursprünglich hatte das Management über 20 Milliarden Euro angepeilt. Der Konzern prüft aktuell, ob sich die Stornierung auch auf das Gesamtjahr auswirkt. Ein Umsatzrückgang von bis zu 300 Millionen Euro für 2026 ist möglich, falls Gegenmaßnahmen ausbleiben.
Belastend wirkt zudem, dass Konkurrent KNDS seinen geplanten Börsengang zurückgezogen hat. Das dämpft branchenweit die Stimmung gegenüber Rüstungsaktien.
Ausblick
Solange der Kurs die Erholung der vergangenen Woche verteidigt, spricht mehr für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Der RSI von 48,7 lässt dafür noch Spielraum. Nähert sich die Aktie weiter dem 50-Tage-Durchschnitt bei 1.192,56 Euro, wäre das ein positives Signal.
Kippt die Stimmung dagegen, etwa durch neue Rückschläge bei Beschaffungsprogrammen, droht der Rückfall Richtung 900-Euro-Zone. Von dort hat sich die Aktie erst um 23,55 Prozent gelöst. Als nächster Prüfstein gilt, ob Rheinmetall die finanziellen Folgen der F126-Absage in den kommenden Wochen beziffert. Ebenso entscheidend: ob sich neue Großaufträge mit europäischen NATO-Partnern konkretisieren.
Der nächste harte Test dürfte der Halbjahresbericht sein. Er steht voraussichtlich im dritten Quartal 2026 an. Dann zeigt sich, ob das Kerngeschäft den Wegfall des Fregattenauftrags kompensieren kann.
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