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Rheinmetall Aktie: BAAINBw kritisiert Skyranger

Interne Unterlagen des Beschaffungsamts zeigen Qualitätsprobleme und Verzögerungen bei Rheinmetall-Projekten. Der Aktienkurs bleibt trotz hoher Auftragsbestände unter Druck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Qualitätsmängel bei zwei Kernprogrammen
  • Aktie fällt 42 Prozent vom Hoch
  • Großauftrag für mobile Rettungsstationen
  • Technologische Fortschritte parallel zu Problemen

Interne Dokumente des Bundeswehr-Beschaffungsamtes BAAINBw zeichnen ein unangenehmes Bild von zwei zentralen Rheinmetall-Programmen. Medienberichten zufolge weisen die Papiere auf erhebliche Mängel bei Reife und Qualität sowie auf neue Verzögerungen bei der Flugabwehr „Skyranger“ und beim „Schweren Waffenträger Infanterie“ auf Basis des Boxer hin. Für Anleger ist das eine unbequeme Erinnerung daran, dass der Rüstungskonzern trotz voller Auftragsbücher operative Umsetzungsrisiken trägt.

Konzernchef Armin Papperger hatte erst am Sonntag betont, der Fokus verschiebe sich zunehmend von der Auftragsakquise hin zum industriellen Produktionshochlauf. Er rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Anwachsen des Auftragsbestands auf über 100 Milliarden Euro.

Genau an diesem Übergang von der Bestellung zur Lieferung entzünden sich nun die Zweifel aus dem Beschaffungsamt. Wer Aufträge in Rekordhöhe verbucht, muss sie auch termingerecht abarbeiten – und genau hier hakt es laut den BAAINBw-Unterlagen bei zwei wichtigen Landsystemen.

Technologievorstöße kaschieren die Baustellen nicht

Parallel zu den kritischen Berichten meldete Rheinmetall in den vergangenen Wochen mehrere technologische Fortschritte. Bei der Luftwaffenübung „Timber Express 2026“ wurde vergangene Woche das Passivradar „Twinvis“ von Hensoldt erfolgreich in das Führungssystem „Skymaster“ integriert, um ein vernetztes NATO-Luftlagebild zu erzeugen.

Zudem demonstrierte der Konzern das Loitering-Munition-System „FV-014“ erfolgreich aus einem fahrzeuggebundenen Mehrfachwerfer, sowohl im Stand als auch während der Fahrt.

Auch strategisch expandiert Rheinmetall: Mit der Eröffnung des „Advanced Land Autonomy Centre of Excellence“ im Vereinigten Königreich treibt der Konzern die KI-gestützte Autonomie-Technologie „PATH“ voran.

Und mit Boeing vereinbarte Rheinmetall eine Kooperation zur Systemintegration der unbemannten Plattform „MQ-28 Ghost Bat“ in Deutschland. Diese Fortschritte zeigen die technologische Breite des Konzerns – sie ändern aber nichts daran, dass ausgerechnet zwei Kernprogramme für die Landstreitkräfte ins Stocken geraten sind.

Kurs bleibt unter Druck, Bewertung entfernt sich vom Hoch

Der Aktienkurs spiegelt die gemischte Gemengelage wider. Am Freitag schloss das Papier bei 1.156,40 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent auf Tagessicht und binnen einer Woche ein Rückgang von 4,9 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht Anfang Oktober, trennen die Aktie inzwischen 42 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 26 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Markt die operativen Risiken der Rüstungsbranche neu bewertet.

Zugleich notiert der Kurs noch immer 28 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das im Juni markiert wurde. Die Erholung der vergangenen 30 Handelstage, in denen die Aktie um 12 Prozent zulegte, zeigt, dass Anleger nicht grundsätzlich das Auftragswachstum infrage stellen. Vielmehr richtet sich die Skepsis gezielt gegen die Fähigkeit, die enormen Bestellmengen auch fristgerecht in Produktion zu überführen.

Sanitätsauftrag zeigt operative Stärke abseits der Problemfelder

Dass Rheinmetall trotz der Kritik weiterhin liefern kann, zeigt ein anderer Vorgang: Die Bundeswehr rief vergangene Woche 149 zusätzliche mobile Rettungsstationen im Wert von über 500 Millionen Euro brutto ab – der bislang größte Einzelauftrag für die Tochtergesellschaft Rheinmetall Project Solutions.

Anleger dürften diesen Kontrast in den kommenden Wochen genau beobachten: Am 27. August tritt der Konzern beim DZ Bank Expert Day auf, am 1. September folgt das Berenberg Stockholm Seminar. Beide Termine bieten Gelegenheit, die Fragen rund um Skyranger und Boxer direkt zu adressieren.

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Diskussion zu Rheinmetall

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.