Rheinmetall sichert sich einen strategischen Coup: Die lizenzierte Fertigung von US-Langstreckenraketen in Deutschland. Der Aktienkurs zeigt sich davon unbeeindruckt und fällt weiter. Zwischen operativem Erfolg und Börsenrealität klafft derzeit eine deutliche Lücke.
Rheinmetall produziert ATACMS-Raketen künftig in Deutschland
Am 7. Juli unterzeichneten Rheinmetall und Lockheed Martin ein Memorandum of Understanding. Der Ort: das NATO Summit Defense Industry Forum in Ankara. Die beiden Konzerne wollen ATACMS-Lenkwaffen künftig gemeinsam am Rheinmetall-Standort Unterlüß produzieren.
Das wäre die erste ATACMS-Fertigungsstätte außerhalb der USA. Ab 2027 sollen dort Raketenmotoren und Lenkkomponenten entstehen, die vollständige Produktion soll ebenfalls 2027 starten. Bis 2029 will man die Kapazitäten hochfahren, um den geschätzten Bedarf Europas und der Ukraine von 600 bis 800 Einheiten pro Jahr zu decken.
Der Deal ist Teil der „NATO Engine“-Initiative. Das Bündnis will damit seine industriellen Kapazitäten enger vernetzen. Für Rheinmetall bedeutet die Vereinbarung eine langfristige Auslastung der Sparte für taktische Raketensysteme — die Systeme sollen vor allem an der NATO-Ostflanke stationiert werden, unter anderem im Baltikum und in Finnland.
Zweites Standbein im All
Rheinmetall diversifiziert parallel in den Weltraumsektor. Zusammen mit Airbus bewirbt sich der Konzern um den Aufbau eines nationalen militärischen Satellitennetzwerks für Deutschland. Das System soll in seiner Funktion Starlink ähneln und der Bundeswehr eine souveräne, hochsichere Kommunikation liefern.
Beide Vorstöße reagieren direkt auf den NATO-Gipfel in Ankara. Dort standen die Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie und robustere Lieferketten im Zentrum der Gespräche.
Der Kurs bleibt im Sinkflug
Von den strategischen Erfolgen ist an der Börse wenig zu spüren. Die Aktie schloss am Freitag bei 993,00 Euro, ein Minus von 1,90 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 9,48 Prozent, auf Monatssicht sind es 16,96 Prozent.
Die längerfristige Bilanz fällt noch deutlicher aus. Seit Jahresbeginn hat das Papier 38,00 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar 46,25 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem September 2025 klafft mittlerweile eine Lücke von über 50 Prozent.
Ein Lichtblick: Das 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro liegt nur rund 10 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Der RSI von 37,2 deutet auf eine beginnende Überverkauft-Situation hin. Der Kurs bleibt dennoch weit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.168,88 Euro entfernt — von den 200 Tagen bei 1.518,21 Euro ganz zu schweigen.
Politischer Gegenwind nimmt zu
Die fundamentale Auftragslage bleibt robust. Rheinmetall profitiert als Zulieferer vom kanadischen U-Boot-Auftrag für TKMS und von türkischen Investitionen in die Luftverteidigung im Rahmen des ÇELİKKUBBE-Projekts. Der branchenweite Abwärtstrend bei Rüstungswerten lastet dennoch auf dem Kurs.
Hinzu kommt gesellschaftlicher Druck: Am Sonntag protestierten in Berlin-Wedding Aktivisten gegen deutsche Rüstungsexporte, unter ihnen bekannte Namen aus der Klimabewegung. Ob solche Debatten künftige Genehmigungsverfahren beeinflussen, bleibt ein Faktor, den Investoren im Blick behalten dürften.
Für die kommende Handelswoche wird entscheidend sein, ob die bestätigte ATACMS-Lizenzfertigung als Signal für eine Bodenbildung reicht. Die operative Substanz spricht dafür — der Chart zeigt bislang keine Trendwende.
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