Während Rheinmetall in Ankara einen historischen Rüstungsdeal einfädelt, rutscht die Aktie auf Jahressicht um ein Drittel ab. Der Widerspruch zeigt: Geopolitik bewegt den Kurs kurzfristig stärker als jede Konzernstrategie. Am Standort Unterlüß entsteht derweil eine Fabrik, die Europas Raketenproduktion verändern könnte.
Milliarden-Paket für die Bundeswehr
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am Mittwoch 16 Rüstungsprojekte im Volumen von über 9,5 Milliarden Euro bewilligt. Den größten Posten bildet die Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU für rund 6,3 Milliarden Euro. Eine Option auf vier weitere Schiffe kommt hinzu.
Der Auftrag geht primär an Thyssenkrupp Marine Systems. Er ersetzt das gestoppte F126-Programm. Für Rheinmetall bestätigt sich damit ein bereits bekannter Umsatzausfall.
Das Gesamtpaket der Bundeswehr enthält aber auch andere Vorhaben. Dazu zählen das Luftkampfsystem CFSN und Hochenergielaser für die Marine. Beide Bereiche passen zur technologischen Ausrichtung des Konzerns.
Unterlüß wird zum US-Brückenkopf
Parallel zu den Berliner Entscheidungen treibt Rheinmetall die Kooperation mit Lockheed Martin voran. Am Rande des NATO Defence Industry Forums in Ankara unterzeichneten beide Konzerne am Mittwoch ein Memorandum of Understanding. Ziel ist die Produktion von ATACMS-Raketen in Deutschland.
Unterlüß in Niedersachsen wird damit zum ersten Standort außerhalb der USA, an dem diese Kurzstreckenraketen entstehen. Die wichtigsten Eckpunkte:
- Produktionsstart: geplant für 2027
- Ausbau: neue Raketenmotorenfabrik in Unterlüß
- Marktpotenzial: Analysten schätzen die jährliche Nachfrage in Europa und der Ukraine auf 600 bis 800 Einheiten
- Beschäftigung: rund 4.000 Mitarbeiter arbeiten bereits am Standort
Kurs bricht trotz Nachrichten ein
Der Kapitalmarkt honoriert die strategischen Fortschritte bisher nicht. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 1.063,40 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen verlor das Papier 3,56 Prozent, auf Monatssicht sogar 11,62 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33,60 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro aus dem September 2025 klafft eine Lücke von fast 47 Prozent. Zum jüngsten Jahrestief von 902,50 Euro Ende Juni bleibt dagegen noch ein Polster von knapp 18 Prozent.
Belastet wurde der DAX am Mittwoch vor allem durch die Eskalation im Iran-Konflikt. US-Präsident Trump hatte eine bestehende Waffenruhe für beendet erklärt. Der Leitindex fiel zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten.
Mit einem RSI von 43,3 bewegt sich Rheinmetall in neutralem Terrain. Der Titel notiert aber rund 10 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.182,72 Euro. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei knapp 70 Prozent — ein Hinweis auf die aktuelle Nervosität im Papier.
Fabrik statt Fregatte
Der Wegfall des F126-Auftrags schmerzt kurzfristig. Die ATACMS-Produktion ab 2027 könnte diese Lücke aber langfristig füllen und Rheinmetall unabhängiger von einzelnen Großprojekten machen. Die UBS hält trotz der Kursverluste an ihrem Kursziel von 1.600 Euro fest — mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Niveau.
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