Rheinmetall führte die DAX-Verlierer am Mittwoch mit einem Minus von 3,31 Prozent an. Die Aktie rutschte dabei unter wichtige Durchschnittslinien. Ein einzelnes Unternehmensereignis als Auslöser lässt sich nicht ausmachen – die Bewegung folgt eher technischen Faktoren und Gewinnmitnahmen nach zuletzt positiven Meldungen. Heute setzt sich der Abwärtstrend fort, der Kurs notiert bei 1.068,80 Euro und damit 2,1 Prozent leichter.
Inmitten dieser Schwächephase kommt von MWB Research ein bemerkenswertes Signal: Das Analysehaus hob die Einstufung für Rheinmetall am Mittwoch von „Sell“ auf „Hold“ an, das Kursziel bleibt unverändert bei 1.050 Euro. Die Begründung: Die Risiken für die Umsatzerwartungen seien am Markt inzwischen besser eingepreist.
Erst Anfang August hatte dasselbe Haus die Aktie noch von „Hold“ auf „Sell“ herabgestuft und dabei die halbierte Investitionsquote sowie ein gesenktes Backlog-Ziel kritisiert. Die Kehrtwende innerhalb weniger Wochen zeigt, wie volatil die Einschätzungen zum Rüstungskonzern derzeit ausfallen.
Hoffnung auf Arminius-Projekt
Bemerkenswert ist der Ausblick, den MWB Research mit der Hochstufung verknüpft: Die Analysten erwarten eine Besserung der Nachrichtenlage zum Monatsende, insbesondere mit Blick auf das Bundeswehr-Großprojekt „Arminius“. Dabei handelt es sich um eine geplante Großbestellung von Boxer-Radfahrzeugvarianten.
Der Bundestag soll sich damit am 9. Dezember befassen, die Unterzeichnung eines Fixvertrags über rund 12,4 Milliarden Euro für die Fahrzeuge könnte 5 bis 10 Tage danach folgen. Hinzu kommt laut Aussagen von Konzernchef Armin Papperger ein Servicevertrag mit einem Gesamtvolumen von 4 Milliarden Euro, wovon 2 Milliarden Euro auf Rheinmetall entfallen sollen. Zwei Optionen könnten den Gesamtrahmen sogar auf etwa 26 Milliarden Euro anheben.
Die Aktie bewegt sich damit in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite stehen belastbare operative Fortschritte, auf der anderen eine Marktstimmung, die zuletzt eher auf Konsolidierung als auf Wachstumsfantasie ausgerichtet war.
Fundamentale Basis bleibt intakt
Die Zahlen aus dem zweiten Quartal untermauern die These, dass die operative Entwicklung robust bleibt: Der Umsatz kletterte um rund 69 bis 70 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis mehr als verdoppelte sich auf 562 Millionen Euro.
Die Marge lag bei 17,1 Prozent. Der Auftragsbestand wuchs um 44 Prozent auf über 80 Milliarden Euro – gestützt unter anderem durch ein 6-Milliarden-Euro-Paket aus Rumänien und einen 12,4-Milliarden-Euro-Fahrzeugvertrag.
Allerdings musste der Konzern die Jahresguidance wegen der gestrichenen F126-Fregattenprojekt-Beteiligung um 300 Millionen Euro auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro senken, organisch soll das Wachstum weiterhin 28 bis 31 Prozent betragen.
Auch operativ bleibt Rheinmetall aktiv: Die US-Tochter American Rheinmetall lieferte kürzlich den ersten von acht Prototypen des Kampffahrzeugs Lynx XM30 an die US-Armee aus, das Luftfahrtamt der Bundeswehr erteilte zudem eine vorläufige Verkehrszulassung für das unbemannte Aufklärungssystem LUNA NG.
Ende August hatte die Bundeswehr bereits einen Auftrag über mehr als 500 Millionen Euro für mobile Rettungsstationen erteilt, der die Gesamtstückzahl auf 165 Systeme im Wert von über 600 Millionen Euro erhöht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Operative Erfolgsmeldungen treffen auf eine angeschlagene Kursentwicklung, während die Hoffnung auf das Arminius-Großprojekt im Dezember als möglicher Katalysator am Horizont steht.
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