Der Ausfall des Fregattenprogramms F126 kostet Rheinmetall im laufenden Jahr 300 Millionen Euro Umsatz. Doch während die Marinesparte den Rückschlag verdaut, wachsen die übrigen Konzernbereiche teils im dreistelligen Prozentbereich.
Der am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Halbjahresbericht zeigt eine deutliche Divergenz zwischen den einzelnen Divisionen – und liefert damit ein differenzierteres Bild, als es die reinen Konzernzahlen vermuten lassen.
Vehicle Systems und Munition treiben das Wachstum
Am stärksten legte die Division Weapon & Ammunition zu: Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 33 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, der Auftragsbestand wuchs um die Hälfte auf 3,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verdoppelte sich.
Auch Vehicle Systems, die größte Sparte des Konzerns, wuchs kräftig: Der Umsatz kletterte um 28 Prozent auf 2,431 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stieg um 96 Millionen Euro auf 275 Millionen Euro, bei einem Auftragsbestand von 6,7 Milliarden Euro.
Noch dynamischer entwickelte sich die kleinere Sparte Air Defence: Der Umsatz sprang um 62 Prozent auf 478 Millionen Euro, das operative Ergebnis verdoppelte sich auf 76 Millionen Euro. Der Auftragsbestand der Division versechsfachte sich.
Digital Systems wuchs mit einem Umsatzplus von 23 Prozent auf 820 Millionen Euro moderater, der Auftragsbestand sank hier allerdings um mehr als die Hälfte – Folge einer außergewöhnlich hohen Vergleichsbasis durch Großaufträge im Jahr 2025.
Marine-Sparte fängt sich mit Rumänien-Auftrag
Anders sieht es bei Naval Systems aus. Die Division kam im ersten Halbjahr auf einen Umsatz von 334 Millionen Euro, belastet durch den Wegfall des F126-Programms. Immerhin: Ein neuer Auftrag aus Rumänien im Wert von 920 Millionen Euro hievte den gesamten Auftragseingang der Sparte auf rund eine Milliarde Euro und dämpft damit zumindest teilweise den Ausfall bei den Fregatten.
Auf Konzernebene bleibt die Wachstumsdynamik trotz der Prognosesenkung bemerkenswert: Der Umsatz legte im ersten Halbjahr um 39 Prozent auf 5,227 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis stieg um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro.
Die Marge kletterte von 12,1 auf 15,0 Prozent, das Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten fast verdoppelte sich auf 8,43 Euro. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro und einer operativen Marge von rund 19 Prozent – die Umsatzuntergrenze liegt damit 300 Millionen Euro unter der vorherigen Prognose.
Kurs bewegt sich seitwärts, Auftragsbestand wächst weiter
An der Börse zeigt sich die Aktie von der Gemengelage aus starkem operativem Geschäft und dem Fregatten-Rückschlag bislang wenig beeindruckt. Das Papier notiert aktuell bei 1.141,20 Euro und gibt im heutigen Handel leicht um 0,37 Prozent nach. Über die vergangenen 30 Handelstage hat der Kurs dennoch um 14,88 Prozent zugelegt und liegt damit 3,87 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.098,66 Euro.
Der Auftragsbestand des Konzerns wuchs zum 30. Juni auf 80,5 Milliarden Euro, ein Plus von 43,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Diese Auftragsflut bringt allerdings auch Kapazitäts- und Umsetzungsfragen mit sich: Marktbeobachter verweisen auf mögliche Ausführungsrisiken, sollte das Wachstumstempo die operativen Kapazitäten der einzelnen Sparten überfordern.
Für Anleger bleibt damit die Frage relevant, wie schnell sich der prall gefüllte Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz und Cashflow übersetzen lässt – nicht zuletzt angesichts des im ersten Halbjahr deutlich negativen operativen Free Cashflows von 1,616 Milliarden Euro.
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