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Rheinmetall Aktie: 8,83 Prozent nach Q2-Gewinnsprung

Rheinmetall überzeugt mit einem Gewinnsprung im zweiten Quartal und einem Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro. Der Markt belohnt die Entwicklung mit einem deutlichen Kursanstieg.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Gewinn steigt zweistellig
  • Auftragsbestand über 80 Milliarden Euro
  • Aktie legt um fast neun Prozent zu
  • Cashflow-Warnung bleibt bestehen

Monatelang haben Anleger auf den Nachweis gewartet, dass sich Rheinmetalls Auftragsflut tatsächlich in Gewinn übersetzt. Am Mittwoch liefert der Rüstungskonzern diesen Beweis – und der Markt reagiert mit einem der stärksten Handelstage der jüngeren Vergangenheit. Die Aktie springt um 8,83 Prozent auf 1.186,20 Euro.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Die Erlöse kletterten im zweiten Quartal um 69 Prozent auf knapp 3,3 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn wuchs deutlich zweistellig auf 562 Millionen Euro – mehr, als Analysten erwartet hatten.

Besonders bemerkenswert: Alle Segmente trugen zu dem Anstieg bei. Der Auftragsbestand kletterte über die Schwelle von 80 Milliarden Euro, auch dank eines Munitionsauftrags der Bundeswehr.

Hinzu kommt ein Auftragspaket aus Rumänien im Wert von 5,7 Milliarden Euro. Das Nato-Land bestellt Gefechtsfahrzeuge, Flugabwehrsysteme, Munition sowie vier Marineschiffe. Wer bislang an der Nachhaltigkeit der Rheinmetall-Wachstumsstory gezweifelt hat, muss diesen Zweifel angesichts eines derart breit abgestützten Auftragspolsters relativieren.

Warum ich das Momentum für belastbar halte

Der heutige Sprung ist keine Eintagsfliege. Die Aktie legte in den vergangenen sieben Handelstagen bereits 17,14 Prozent zu, auf Monatssicht sind es 21,97 Prozent.

Der Kurs notiert nun 6,73 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.111,42 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt dagegen weiterhin deutlich Abstand.

Bereits am Dienstag schloss die Aktie erstmals seit Januar über der Trendlinie ihrer Abwärtsbewegung. Für mich ist genau diese Kombination aus Chartausbruch und überzeugenden operativen Zahlen der eigentliche Grund, warum die aktuelle Rally mehr sein könnte als nur ein kurzes Aufflackern.

Die Kehrseite: Cashflow-Warnung nicht ignorieren

Ganz ohne Wermutstropfen kommt der Bericht nicht. Weil sich Anzahlungen verschoben haben, rechnet Rheinmetall im zweiten Quartal mit einem operativen Barmittelabfluss.

Wachstum, das mit Kapitalbindung im Working Capital erkauft wird, ist nicht automatisch ein Problem. Es verdient aber genaue Beobachtung, sobald am 6. August die vollständigen Halbjahreszahlen vorliegen.

Ebenfalls belastend bleibt der bereits bekannte Rückschlag beim Marinegeschäft. Der Bund strich das Fregatten-Projekt F-126, und Rheinmetall prüft nun mögliche Auswirkungen auf die Gesamtjahresprognose. Dass die Aktie trotz dieser offenen Frage so kräftig zulegt, zeigt: Das Vertrauen in die Breite des übrigen Geschäfts – Munition, Fahrzeuge, Elektronik – überwiegt aktuell klar.

Mein Fazit: Der Boden dürfte gefunden sein

Der Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro liegt bei 31,43 Prozent, der RSI von 67,1 zeigt eine spürbare, aber noch keine überkaufte Verfassung. Zum 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro fehlen dagegen noch 40,90 Prozent – Luft nach oben, sollte sich das operative Momentum fortsetzen.

Die Kurskorrektur des ersten Halbjahres war wohl eher eine Verdauungspause als eine echte Trendwende. Mit dem Rekord-Auftragsbestand und der überraschend starken Ertragslage hat Rheinmetall die fundamentale Basis für eine nachhaltigere Erholung gelegt.

Am 6. August folgen die vollständigen Halbjahreszahlen. Sie liefern die Antwort auf die einzige noch offene Frage: ob der Barmittelabfluss ein einmaliger Effekt bleibt.

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Diskussion zu Rheinmetall

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.