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Rheinmetall Aktie: 74% Gewinn trotz Prognosesenker

Rheinmetall verzeichnet starkes Halbjahr, senkt aber wegen des F126-Aus die Jahresprognose. Analysten reagieren mit Kurszielsenkung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Operatives Ergebnis steigt um 74 Prozent
  • Umsatzprognose wegen F126-Streichung gesenkt
  • mwb research stuft auf Verkaufen herab
  • Boxer-Vertrag soll noch 2026 kommen

Rheinmetall hat am Donnerstag mit einem operativen Ergebnis von 786 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 einen Zuwachs von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr vorgelegt – und trotzdem senkte der Konzern gleichzeitig seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Der Grund liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in Berlin: Nachdem die Bundesregierung das milliardenschwere F126-Fregattenprojekt zugunsten der MEKO-A-200-Kriegsschiffe des Wettbewerbers TKMS gestrichen hatte, kappte Rheinmetall die Umsatzerwartung 2026 auf einen Rahmen von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Das organische Wachstumsziel von 28 bis 31 Prozent blieb dabei unverändert bestehen.

Rekordzahlen im operativen Kerngeschäft

Der Halbjahresumsatz kletterte um 39 Prozent auf 5.227 Millionen Euro, nach 3.749 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal legte das operative Ergebnis um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu. Das Management bestätigte zudem seine Margen-Guidance: Die operative Ergebnismarge soll sich für 2026 bei rund 19 Prozent einpendeln. Der Auftragsbestand wuchs parallel kräftig – innerhalb von sechs Monaten kamen 3.097 Millionen Euro an neuen Aufträgen hinzu, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtbacklog erreichte zum 30. Juni 80,5 Milliarden Euro; laut der Präsentation zu den Quartalszahlen soll er bis Jahresende 2026 die Marke von 100 Milliarden Euro übersteigen.

Auf der Kehrseite steht ein tief negativer operativer Cashflow von 1.616 Millionen Euro. Das Management erklärte dies mit einem gezielten Lageraufbau, um Liefergarantien abzusichern. CEO Armin Papperger verteidigte den Schritt gegenüber Medien mit den Worten: „We need these goods in our stocks, otherwise it’s impossible to grow.“ Um die Liquidität für diesen Aufbau zu sichern, hatte Rheinmetall im zweiten Quartal bereits unbesicherte Senior-Anleihen über 500 Millionen Euro mit Fälligkeit 2031 und einem Kupon von 3,375 Prozent platziert.

mwb research senkt Daumen auf Sell

Noch am Donnerstag reagierte mwb research auf die Zahlen und stufte die Aktie von „Hold“ auf „Sell“ herab, das Kursziel sank von 1.150 auf 1.050 Euro. Als Begründung führten die Analysten eine geringere Sichtbarkeit der Geschäftsentwicklung ab 2028 an – bedingt durch höhere Investitionen ab 2027 sowie erwartete Verschiebungen bei den deutschen Beschaffungsprioritäten. Andere Häuser sehen den Wert weiterhin deutlich optimistischer, mit Kurszielen im Bereich von rund 1.700 bis 1.820 Euro, allerdings stammen diese Einschätzungen aus früheren Monaten und spiegeln die jüngste Prognosesenkung noch nicht wider.

Boxer, ATACMS und Iveco als Wachstumshoffnungen

Trotz des Rückschlags bei der Marine bleiben die Wachstumsperspektiven im Landgeschäft intakt. Papperger bekräftigte im Reuters-Interview, dass der Boxer-Radpanzer-Vertrag mit der Bundeswehr im Rahmen des Projekts „Arminius“ noch in diesem Jahr unterzeichnet werden soll: „There is absolutely nothing standing in the way.“ Medienberichten zufolge liegt der Festauftrag bei rund 25 Milliarden Euro, mit einem möglichen Gesamtrahmenvertrag von über 75 Milliarden Euro; Rheinmetalls Anteil am initialen Festauftrag soll sich auf rund 12,4 Milliarden Euro belaufen.

Bei der im Juli vereinbarten Kooperation mit Lockheed Martin zur ATACMS-Raketenproduktion am Werk Unterlüß dämpfte Papperger dagegen die Erwartungen an das Tempo. Der Produktionsstart sei für 2027 geplant, erste Umsätze erwartet der Konzernchef erst 2028: „That won’t happen in two years. It will take much longer.“ Auch die Übernahmegespräche zur Militär-Lkw-Sparte von Iveco laufen weiter – Papperger will den neuen Iveco-Chef Lorenzo Mariani nach der Sommerpause treffen und sieht den Deal nicht gefährdet. Am 3. August hatte Rheinmetall zudem mit der GMF 140 ein neues Fregattenkonzept vorgestellt, ein 140 Meter langes Schiff mit über 6.000 Tonnen Verdrängung und 64 Startzellen für Lenkflugkörper, das für Marineausschreibungen in Nordamerika und der NATO positioniert werden soll.

Kurs bleibt unter Druck

An der Börse kamen die gemischten Signale nicht gut an: Die Aktie schloss am Freitag bei 1.145,40 Euro und verlor auf Wochensicht 3,60 Prozent. Damit bleibt der Titel weit von seinem Rekordhoch entfernt, das im Oktober vergangenen Jahres erreicht wurde – der Abstand beträgt 42,93 Prozent. Der Kursverlust seit dem Verlust des F126-Auftrags im Juni, als die Aktie an einem Tag um bis zu 18 Prozent einbrach und Rheinmetall Anfang Juli 900 Stellen im Marineschiffbau einfror, wirkt damit weiter nach.

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Diskussion zu Rheinmetall

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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