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Rheinmetall Aktie: 73 Milliarden Auftragsbestand

Rheinmetall-Chef Papperger verlangt von der Politik finanzielle Zusagen für den Kapazitätsausbau, trotz Rekordauftragsbestand von 73 Milliarden Euro.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Papperger pocht auf Abnahmegarantien
  • Kritik an Skynex-System zurückgewiesen
  • Neuer Großauftrag für Luftabwehr
  • Aktie erholt sich von Jahrestief

Rheinmetall sitzt auf einem Auftragsbestand von rund 73 Milliarden Euro. Trotzdem geht Vorstandschef Armin Papperger in die Offensive. Kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara verlangt er von der Politik verbindliche Zusagen. Ohne Abnahmegarantien und Anzahlungen, so seine Botschaft, lässt sich der Kapazitätsausbau nicht rechtfertigen.

Papperger drängt auf Planungssicherheit

Der Rheinmetall-Chef äußerte sich am Freitag und Samstag deutlich zu den politischen Entscheidungsträgern. Sein Kernargument: Neue Produktionskapazitäten und Zukunftstechnologien brauchen finanzielle Verbindlichkeit. Ohne feste Abnahmegarantien will der Konzern nicht investieren.

Papperger sieht in gemeinsamen europäischen Rüstungsprogrammen eine historische Chance. Standardisierung und Skaleneffekte könnten die Branche grundlegend verändern. Gleichzeitig betont er die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft mit den USA – Europa soll nicht ohne Amerika planen.

Kritik an Skynex, aber neue Aufträge

Der Rüstungssektor verschiebt sich gerade. Weg von reinem Großgerät, hin zu Drohnen, Sensorik und elektronischer Abwehr. Rheinmetall positioniert sich hier, muss sich aber auch Kritik stellen.

Medienberichte werfen dem Luftabwehrsystem Skynex technische Mängel in der Ukraine vor. Drei von acht eingesetzten Geschützen sollen wegen Hydraulikdefekten oder Radarausfällen nur eingeschränkt einsatzbereit sein. Papperger widerspricht dieser Darstellung und verweist auf die anhaltende Nachfrage.

Die Zahlen scheinen ihm recht zu geben. Ein neuer Kunde hat vier Skynex-Systeme für einen Betrag im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bestellt. Italien führt das System zudem bis Ende 2025 als erster NATO-Staat ein.

Rekordbestand und breitere Aufstellung

Die Auftragslage bleibt trotz der Debatten auf Rekordniveau. Zum Ende des ersten Quartals 2026 stand der Backlog bei rund 73 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt Rheinmetall einen Umsatz zwischen 14,0 und 14,5 Milliarden Euro an, bei einer operativen Marge von etwa 19 Prozent.

Der Konzern diversifiziert sein Geschäft parallel dazu. Im Juni und Juli sicherte sich Rheinmetall einen Auftrag über sieben mobile Feldhospitäler für Marokko. Die Auslieferung im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich ist für 2027 bis 2028 geplant.

Kurs erholt sich, bleibt aber unter Druck

Die Aktie schloss am Freitag bei 1.097,00 Euro, ein Tagesminus von 0,51 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 16,63 Prozent zu Buche – deutlich entfernt vom 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro aus dem Juni. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.538,88 Euro zeigt aber: Die Erholung steckt noch in den Anfängen.

Auf Jahressicht liegt das Papier weiterhin rund 31,5 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem September fehlen noch etwa 45 Prozent.

Für die kommende Woche richten sich die Blicke auf Ankara. Deutschland plant für 2027 eine Steigerung der Verteidigungsausgaben auf bis zu 130,1 Milliarden Euro, inklusive Ukraine-Finanzierung. Entscheidend wird sein, ob Rheinmetall aus diesen angekündigten Budgets tatsächlich konkrete Verträge herausholt – genau die Verbindlichkeit, die Papperger jetzt einfordert.

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