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Rheinmetall Aktie: 73 Milliarden Auftragsbestand

Trotz eines Auftragsbestands von 73 Milliarden Euro büßt die Rheinmetall-Aktie seit Jahresbeginn massiv an Wert ein. Politische und gesellschaftliche Risiken belasten den Kurs.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Auftragsbestand erreicht 73 Milliarden Euro
  • Aktie verliert seit Januar fast 40 Prozent
  • Fregattenprogramm-Absage belastet Erwartungen
  • Proteste erhöhen reputatives Risiko

Rekordaufträge, ein Backlog von 73 Milliarden Euro, dazu Verträge mit Lockheed Martin und der britischen Armee. Und trotzdem verliert die Rheinmetall-Aktie seit Jahresbeginn fast 40 Prozent. Wie passt das zusammen?

Am Montag notiert das Papier bei 985,00 Euro, ein Minus von 0,81 Prozent zum Vortag. Der Blick auf die längere Frist zeigt das eigentliche Drama: Seit Jahresanfang steht ein Verlust von 38,50 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 47,34 Prozent. Der Rüstungskonzern verliert an der Börse an Wert, während er operativ von einem Erfolg zum nächsten eilt. Genau diese Diskrepanz ist die eigentliche Geschichte hinter dem Kurs.

Die Auftragsbücher sind voll wie nie

Was Rheinmetall operativ liefert, klingt nach Boom. Erst heute wurde bekannt: Das Unternehmen ist Teil des Omnia-Konsortiums, das die Gefechtsausbildung der britischen Armee digitalisiert. Rheinmetalls Anteil daran: knapp eine Milliarde Euro über 15 Jahre.

Nur wenige Tage zuvor, am 7. Juli, unterschrieb der Konzern eine Absichtserklärung mit Lockheed Martin. Ziel ist die erste europäische Produktionsstätte für ATACMS-Raketen in Unterlüß. Am 9. Juli kam ein Auftrag für ein Hochenergie-Laserwaffensystem der Deutschen Marine hinzu.

Diese Meldungen sind keine Ausnahme, sondern Muster. Der Auftragsbestand erreichte per Ende März 73 Milliarden Euro. Das Management rechnet bis Jahresende sogar mit rund 135 Milliarden Euro. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 8 Prozent, das operative Ergebnis sogar um 17 Prozent.

Wachstumszahlen wie aus dem Lehrbuch. Und trotzdem straft die Börse die Aktie ab.

Warum der Markt nicht mehr nur auf Wachstum schaut

Der erste Riss zeigte sich am 24. Juni. Das Bundesverteidigungsministerium sagte das Fregattenprogramm F126 ab. Rheinmetall hatte kurz zuvor die Marinesparte NVL übernommen und galt als aussichtsreicher Generalunternehmer für das Projekt.

Die Folge: Umsatzausfälle von bis zu 300 Millionen Euro allein im laufenden Jahr. Für einen Konzern mit 73 Milliarden Euro Auftragsbestand ist das keine existenzielle Summe. Es ist aber ein Signal, dass politische Entscheidungen selbst gut positionierte Rüstungsfirmen kalt erwischen können.

Der zweite Faktor ist gesellschaftlicher Natur, und er trifft Rheinmetall heute unmittelbar. Aktivisten der Gruppe „Peacefully Against Genocide“ blockierten am Montag Büros des Konzerns am Pariser Platz in Berlin. Unter ihnen: die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die mit einem Foto des Gazastreifens protestierte.

Die Demonstranten werfen Rheinmetall eine Mitschuld an Kriegsverbrechen in Gaza vor, wegen der Rüstungsgeschäfte mit Israel. Ob solche Proteste den Kurs direkt bewegen, lässt sich schwer belegen. Sie zeigen aber, dass Rüstungskonzerne heute unter einer politischen und reputativen Beobachtung stehen, die es vor wenigen Jahren so nicht gab.

Was die Charttechnik über die Stimmung verrät

Die technischen Daten bestätigen das Bild der Verunsicherung. Der Kurs liegt 15,17 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.161,17 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.513,96 Euro beträgt der Abstand fast 35 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.995,00 Euro, erreicht am 29. September 2025, hat sich die Aktie mehr als halbiert. Erst am 25. Juni markierte sie mit 902,50 Euro ein neues Jahrestief, aktuell notiert sie gut 9 Prozent darüber. Der RSI von 36,5 pendelt an der Schwelle zur überverkauften Zone, ein eindeutiges Signal für eine Bodenbildung ist das noch nicht.

Auffällig ist zudem die annualisierte Volatilität von 68,75 Prozent über 30 Tage. Ein Wert, der für einen DAX-Titel ungewöhnlich hoch ist und zeigt: Der Markt ist bei dieser Aktie derzeit alles andere als entspannt.

Rheinmetall demonstriert gerade, dass ein voller Auftragsbestand allein keine Kursgarantie mehr ist. Der Konzern muss beweisen, dass er Großprojekte wie das ATACMS-Werk in Unterlüß auch fehlerfrei umsetzt, und er muss mit einem politischen Umfeld zurechtkommen, das ihm mit der F126-Absage bereits eine schmerzhafte Lektion erteilt hat. Bis dahin bleibt die Aktie ein Fall, bei dem operative Stärke und Kursverlauf weit auseinanderlaufen.

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