Rheinmetall hat am Donnerstag eine markante Kursreaktion hinter sich: Nach einer Herabstufung durch JPMorgan auf die „Negative Catalyst Watch“-Liste fiel die Aktie zeitweise auf knapp 989 Euro und damit erstmals seit Juli unter die psychologisch wichtige 1.000-Euro-Marke. Bis zum Nachmittag hatte sich der Kurs wieder erholt und notiert aktuell bei 1.017,40 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent im Tagesverlauf.
Analysten sorgen sich um Margenverschiebung
JPMorgan-Analyst David Perry bestätigt zwar das „Neutral“-Rating für Rheinmetall, setzt die Aktie aber wegen eines befürchteten Margenrisikos auf die Beobachtungsliste.
Sein Argument: Der Umsatzmix des Konzerns verschiebe sich zunehmend zu „neuen Produkten“ wie Drohnen, autonomen Waffensystemen und digitalen Systemen, die häufig über Joint Ventures mit geringeren Margen laufen. Das margenstarke Kerngeschäft mit Munition und bemannten Landfahrzeugen dagegen könnte relativ an Gewicht verlieren.
In der Konsequenz drohten niedrigere Konzernergebnisse als bislang eingepreist. Perry positioniert die Warnung explizit vor dem Kapitalmarkttag im November, auf dem Rheinmetall seine mittelfristigen Ziele konkretisieren dürfte.
Die Reaktion am Markt fiel deutlich aus: Neben Rheinmetall gerieten am Donnerstag auch die verwandten Rüstungswerte Renk, Hensoldt und TKMS unter Druck. Renk verlor rund 2,5 Prozent, nachdem auch Exane BNP Paribas das Papier von „Outperform“ auf „Neutral“ zurückgestuft hatte. Hensoldt und TKMS gaben ebenfalls nach.
Der Kursrutsch reiht sich in einen längeren Abwärtstrend ein. Der Titel notiert derzeit rund 7 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.095,89 Euro – ein Zeichen dafür, dass die kurzfristige Dynamik weiterhin negativ ist. Seit dem 52-Wochen-Hoch von über 2.000 Euro Anfang Oktober vergangenen Jahres hat sich der Wert der Aktie damit annähernd halbiert.
Operatives Geschäft läuft weiter
Während die Analystenskepsis die Kursbewegung dominierte, meldete die US-Tochter American Rheinmetall am selben Tag einen neuen Auftrag: Das US Marine Corps bestellte über die Defense Logistics Agency zwölf autonome Mission-Master-SP-Fahrzeuge sowie fünf amphibische Marine-Kits. Der Auftrag hat ein Volumen von 7,28 Millionen US-Dollar und wird über den Hauptauftragnehmer ADS Inc. abgewickelt.
Die Fahrzeuge basieren auf dem PATH-Autonomiesystem von Rheinmetall Canada; Rheinmetall arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit mehr als vier Jahren mit dem US Marine Corps an autonomen Bodenfahrzeugen. Geplant ist zudem der Aufbau eines Produktions- und Entwicklungszentrums namens ALACOE im US-Bundesstaat Maine.
Parallel dazu veröffentlichte Rheinmetall erstmals zentrale Schnittstellen seiner Battlesuite-Software – die Onboard API und die Tactical API – als Open Source über GitHub. Der Schritt zielt darauf ab, Partnerunternehmen und Entwicklern den Zugang zu den digitalen Systemen des Konzerns zu erleichtern.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Auf der operativen Seite liefert Rheinmetall weiter Aufträge und baut sein Portfolio an autonomen Systemen aus. Auf der Bewertungsseite wächst jedoch die Sorge, dass genau dieser Wandel hin zu neuen, margenschwächeren Geschäftsfeldern die Profitabilität belasten könnte – eine Frage, die spätestens beim Kapitalmarkttag im November eine Antwort finden dürfte.
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