Rheinmetall steuert mit einer Serie von Großaufträgen und vorläufigen Rekordzahlen auf die Veröffentlichung des detaillierten Halbjahresberichts zu, die für morgen angesetzt ist. Der Rüstungskonzern hatte bereits am 29. Juli vorläufige Eckdaten zum zweiten Quartal vorgelegt, die deutlich über den Markterwartungen lagen.
Vorläufige Zahlen übertreffen Konsens deutlich
Rheinmetall meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von rund 3,289 Milliarden Euro – ein Plus von 69 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis kletterte auf 562 Millionen Euro und übertraf den Konsens von 469,9 Millionen Euro damit merklich. Parallel dazu meldete der Konzern am selben Tag neue Nominierungen im Volumen von 11,371 Milliarden Euro für das Quartal, darunter Verträge über Loitering Munition für die Bundeswehr sowie ein SAFE-Auftragspaket für Rumänien. Der Auftragsbestand überschritt dadurch erstmals die Marke von 80 Milliarden Euro.
Die Kehrseite der schnellen Expansion zeigt sich beim Cashflow: Rheinmetall wies für das zweite Quartal einen deutlich negativen operativen freien Cashflow aus. Als Gründe nannte der Konzern verschobene Kundenanzahlungen, gestiegene Forderungen und einen Vorratsaufbau, der mit der laufenden Kapazitätserweiterung zusammenhängt. Wer die massive Auftragsflut einordnen will, muss diesen Vorlauf mitdenken – Wachstum dieser Größenordnung bindet zunächst Kapital, bevor es sich in Zahlungsflüssen niederschlägt.
Aufträge aus mehreren Regionen und Sparten
Neben den Quartalszahlen häuften sich zuletzt konkrete Einzelaufträge. Am 30. Juli sicherte sich Rheinmetall über das BAAINBw einen Großauftrag der Deutschen Marine zur technischen Modernisierung der Fregatte „Bayern“ der Klasse F123. Das Volumen liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und soll die Standzeit des Schiffs bis 2035 verlängern. Am Freitag folgte die Nachricht, dass die US-Tochter American Rheinmetall im Rahmen des „Project Sustainment“ einen Entwicklungsauftrag der US-Armee für autonome unbemannte Bodenfahrzeuge zur Frontlogistik erhalten hat; die Projektlaufzeit beträgt 18 Monate.
Bereits am 23. Juli hatte Rheinmetall den Grundstein für eine neue Pulverfabrik am bayerischen Standort Aschau gelegt, mit der die Produktionskapazitäten für Treibladungspulver massiv ausgebaut werden sollen. Am 13. Juli kam zudem ein 15-jähriger Auftrag der britischen Streitkräfte zur Digitalisierung der Gefechtsausbildung hinzu, den Rheinmetall gemeinsam mit Partner Raytheon umsetzt – der auf Rheinmetall entfallende Anteil liegt bei knapp einer Milliarde Euro.
Analysten reagieren, Kurs bleibt unter Rekordhoch
Nach den vorläufigen Zahlen bestätigte Bernstein am 29. Juli die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.900 Euro. Jefferies beließ das „Buy“-Rating am selben Tag bei einem Kursziel von 1.300 Euro und hob dabei die operative Marge von 17,1 Prozent im zweiten Quartal hervor.
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Erwartungshaltung bereits in den Kursen: Die Aktie schloss am Dienstag bei 1.202,20 Euro und legte binnen sieben Tagen um 4,10 Prozent zu. Vom Rekordhoch bei 2.007 Euro, das Anfang Oktober vergangenen Jahres markiert wurde, bleibt das Papier mit einem Abstand von 40,10 Prozent aber weit entfernt – ein Hinweis darauf, dass der breitere Kursrückgang der Rüstungsbranche seit dem Herbsthoch noch nicht aufgeholt ist. Der ausführliche Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr, den Rheinmetall morgen vorlegt, dürfte zeigen, wie belastbar der aktuelle Wachstumskurs angesichts der Cashflow-Situation tatsächlich ist.
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