China hat am Donnerstag Exportkontrollen gegen Rheinmetall und 13 weitere europäische Unternehmen verhängt, betroffen sind Güter mit ziviler und militärischer Doppelnutzung. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern lässt sich davon nach eigenen Angaben nicht von seinen Wachstumszielen abbringen und treibt den Ausbau der eigenen Produktion parallel weiter voran.
Pulverfabrik in Aschau als Antwort
Am 22. Juli begann Rheinmetall in Aschau am Inn mit dem Bau einer der größten Pulverfabriken Europas. Für den Standort selbst beziffert der Konzern die Investition auf 350 Millionen Euro, konzernweit summiert sich das Programm auf 650 Millionen Euro. Aktuell produziert das Werk 1.700 Tonnen Pulver und 300.000 Treibladungsmodule pro Jahr. Binnen 24 Monaten soll die Kapazität um zusätzliche 2.500 Tonnen Pulver, mehr als fünf Millionen brennbare Komponenten und über eine Million modulare Treibladungsmodule wachsen – die volle Ausbaustufe ist für 2028 geplant. Die Belegschaft am Standort soll von 800 auf 1.400 Beschäftigte steigen, der Produktionsstart der neuen Linien ist für 2027 vorgesehen.
Laserwaffen für die Bundeswehr
Parallel dazu plant die Bundesregierung, Rheinmetall ohne Ausschreibung mit der Entwicklung eines Laserwaffensystems zur Drohnenabwehr zu beauftragen. Vorgesehen sind zunächst drei Demonstrationsgeräte für die Marine, die bis Ende des Jahrzehnts geliefert werden sollen, das Volumen bewegt sich im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Der Grünen-Haushälter Schäfer kritisiert die fehlende Ausschreibung; der australische Anbieter EOS habe leistungsstärkere Systeme zu deutlich geringeren Kosten im Angebot. Rheinmetall-Chef Armin Papperger konterte knapp: „Wir können liefern.“
Der Vorstoß fügt sich in ein größeres Bild. Die Nato hatte auf ihrem Gipfel in Ankara Anfang Juli ein „Innovation Scale-up Package“ beschlossen. Zehn Finanzinstitute, darunter die Deutsche Bank, sagten Investitionen von 210 Milliarden US-Dollar in die Verteidigungsindustrie zu. Die Initiative „Drone Edge“ soll allein in die Drohnenabwehr binnen fünf Jahren 40 Milliarden US-Dollar lenken – ein Umfeld, das Rheinmetalls Ausbaupläne zusätzlich absichert.
Kurs: Erholung von tiefen Niveaus
Die Aktie hat sich zuletzt etwas gefangen: Am Freitag schloss das Papier bei 1.032,60 Euro, ein Plus von 1,29 Prozent zum Vortag. Zum 52-Wochen-Hoch klafft dennoch weiterhin eine Lücke von rund 48,55 Prozent – das Rekordniveau stammt noch aus dem Herbst 2025, seither hat die Aktie einen erheblichen Teil der Bewertung wieder abgegeben. Wie die Weltwoche berichtet, hat sich der Kurs seit Kriegsbeginn dennoch fast verzwanzigfacht, was den jüngsten Rücksetzer relativiert.
Diese Gegenüberstellung von langfristiger Vervielfachung und akutem Kurseinbruch zeigt, wie stark die Bewertung der Aktie inzwischen von Wachstumserwartungen abhängt. Rückenwind lieferten am Montag die deutschen Industrieaufträge für Mai, die überraschend gut ausfielen – getrieben ausgerechnet von Rüstungsaufträgen, was auch dem DAX am selben Tag zu einem neuen Rekordhoch verhalf.
Die chinesischen Exportkontrollen dürften die Lieferkette in Randbereichen erschweren, sofern Rheinmetall auf betroffene Dual-Use-Komponenten angewiesen ist. Der Konzern signalisiert jedoch, den Kapazitätsausbau in Deutschland unabhängig davon zügig fortzusetzen – ein Signal, das Anleger angesichts der milliardenschweren Investitionsprogramme der Nato-Staaten genau beobachten dürften.
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