Ein neuer Bundeswehr-Auftrag stützt am Montag die Rheinmetall-Aktie. Gleichzeitig senkt die Bank of America ihr Kursziel deutlich. Beide Nachrichten zusammen zeigen: Der Rüstungskonzern bleibt operativ stark, doch der Kapitalmarkt bewertet die Zukunft der Branche neu.
Neuer Abruf für Schwerlasttransporter
Rheinmetall liefert 56 schwere Sattelzugmaschinen des Typs „Elefant 2″ an die Bundeswehr. Der Auftrag hat einen Bruttowert von rund 60,5 Millionen Euro. Die Fahrzeuge sollen 2026 und 2027 ausgeliefert werden.
Die Tochtergesellschaft Rheinmetall MAN Military Vehicles fertigt die Transporter. Der Abruf erweitert einen Rahmenvertrag aus dem Jahr 2018. Die Bundeswehr braucht mehr Kapazität, um gepanzerte Fahrzeuge schnell über weite Strecken zu verlegen.
Der ungeschützte Elefant 2 ergänzt den bereits gelieferten Schwerlasttransporter Mammut. Beide Modelle stammen aus demselben Werk.
Bank of America kappt Kursziel
Die Aktie notiert aktuell bei 1.049,00 Euro, ein Plus von 1,59 Prozent zum Freitagsschluss. Damit setzt sie ihre Erholung vom 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro fort, das erst Ende Juni markiert wurde.
Am Kapitalmarkt zeichnet sich trotzdem eine Neubewertung ab. Die Bank of America senkt ihr Kursziel für Rheinmetall von 1.770 Euro auf 1.300 Euro. Die „Buy“-Empfehlung bleibt bestehen, die Begründung für die Senkung ist aber bemerkenswert.
Die Analysten sehen eine mögliche Verschiebung der NATO-Beschaffungsprioritäten. Statt klassischer Großplattformen und Munition könnten Drohnentechnologie und Präzisionswaffen stärker gefragt sein. Das würde den Bewertungsspielraum für Rheinmetalls traditionelles Kerngeschäft vorübergehend einengen.
Trotz der Kürzung liegt das neue Kursziel noch deutlich über dem aktuellen Niveau. Der Spielraum bis dahin bleibt also substanziell – die Anpassung markiert eher eine vorsichtigere Erwartungshaltung als einen Bruch mit der Aktie.
Kapazitätsausbau läuft weiter
Der Auftragsbestand des Konzerns bleibt enorm. Entscheidend wird sein, wie schnell Rheinmetall diesen Rückstand in Umsatz und Marge umwandelt.
Zwei Projekte zeigen, wie der Konzern seine Produktion ausbaut:
- Werk Niedersachsen: Mitte Juli lieferte Rheinmetall erstmals 155-mm-Artilleriemunition aus dem neuen Werk in Unterlüß an die Ukraine.
- Pulverfabrik Aschau: Am 22. Juli erfolgte die Grundsteinlegung für den Ausbau des Pulverwerks in Aschau am Inn. Unter dem Namen „Firepower“ investiert der Konzern rund 500 Millionen Euro. Ab 2028 soll die Kapazität für Treibladungsmodule auf über eine Million Einheiten pro Jahr steigen.
Charttechnisch neutral, fundamental unter Druck
Der RSI von 50,1 zeigt eine neutrale Marktlage. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.489,36 Euro verdeutlicht aber den Korrekturbedarf seit Jahresbeginn – die Aktie liegt aktuell rund 30 Prozent darunter.
Die operative Substanz durch Aufträge und Kapazitätsausbau bleibt intakt. Der Markt wartet nun auf die Quartalszahlen am 6. August. Sie werden zeigen, ob sich der volle Auftragsbestand bereits in Umsatz und Marge niederschlägt.
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