Nach Wochen mit massiven Verlusten atmet die Rheinmetall-Aktie zum Wochenauftakt kurz durch. Das Papier legt um 1,22 Prozent auf 989,90 Euro zu. Ein neuer Auftrag aus dem Bundeswehr-Geschäft stützt den Kurs – während die große Belastung aus dem Juni weiter im Raum steht.
Neuer Bundeswehr-Auftrag stützt den Kurs
Die Bundeswehr hat im Rahmen des Digitalisierungsprojekts „D-LBO“ weitere Leistungen abgerufen. Der Auftrag geht an die Arbeitsgemeinschaft IT-Systemintegration, an der Rheinmetall Electronics maßgeblich beteiligt ist. Das Volumen liegt bei rund 100 Millionen Euro.
Konkret geht es um Hardware und Dienstleistungen zur Integration digitaler Kommunikationssysteme in die Fahrzeugflotte. Die zusätzlichen Integrationsteams sollen zwischen Ende 2027 und Ende 2028 im Einsatz sein. Der Auftrag ist überschaubar, verglichen mit den Milliardenprojekten des Konzerns. Trotzdem sendet er ein Signal: Das Kerngeschäft läuft weiter.
Fregatten-Aus wiegt schwer
Die eigentliche Geschichte der Aktie bleibt der Verlust des F126-Fregattenprogramms. Die Bundesregierung stornierte das Projekt Ende Juni überraschend. Es hatte ein geschätztes Volumen von bis zu 20 Milliarden Euro.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie 36,26 Prozent an Wert verloren. Erst vor wenigen Wochen markierte sie bei 902,50 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Der aktuelle Kurs liegt nur knapp darüber – von einer echten Trendwende kann noch keine Rede sein.
Die Analystenhäuser reagieren unterschiedlich auf die neue Lage. Bernstein Research bleibt optimistisch für den Titel. Die Bank of America passte dagegen ihre Einschätzung für den Sektor und für Rheinmetall an. Im Fokus steht die Frage, ob der Konzern den Wegfall des Großprojekts über sein übriges Portfolio auffangen kann. Die Auftragsbücher sind mit über 60 Milliarden Euro prall gefüllt – das dürfte helfen.
Der 6. August wird zum Prüfstein
Die Marktteilnehmer richten ihren Blick nun auf den 6. August 2026. An diesem Tag legt Rheinmetall die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Das Management muss dann erstmals detailliert erklären, wie sich die F126-Stornierung finanziell auswirkt.
Im ersten Quartal hatte der Konzern einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro ausgewiesen – weniger als im Vorjahr. Bei Munition und loitering ammunition lief das Geschäft dagegen stark. Diese Sparten könnten die Lücke aus dem Fregattenprogramm zumindest teilweise schließen.
Weitere Impulse kamen im Juli hinzu: eine Kooperation mit Space Norway zur maritimen Weltraumüberwachung sowie erste Munitionslieferungen aus dem neuen Werk in Unterlüß. Ob solche Meldungen reichen, um die Aktie dauerhaft über die 1.000-Euro-Marke zu heben, entscheidet sich am Zahlenwerk im August. Die operative Marge wird zeigen, wie stabil das Geschäft ohne das Fregattenprojekt wirklich ist.
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