Rheinmetall baut sein Portfolio um unbemannte Systeme aus und sichert sich parallel Zugriff auf kritische Rohstoffe. Der Konzern hat die Mehrheit von 51 Prozent an DOK-ING übernommen, das Geschäft firmiert seit Juli als Rheinmetall Unmanned Vehicles. Damit rückt der Düsseldorfer Rüstungskonzern näher an ein Segment, das in der Verteidigungsindustrie zunehmend als Wachstumstreiber gilt.
Im Zentrum der neuen Einheit steht die Komodo-Plattform, ein unbemanntes Fahrzeug mit einer Nutzlast von über 8,5 Tonnen. Für die Bundeswehr ist der Einsatz in autonomen Konvois im Rahmen des Programms InterRoC VII vorgesehen. Damit positioniert sich Rheinmetall in einem Feld, das über klassische Landsysteme hinausgeht und stärker auf Robotik und Automatisierung setzt.
Batterien und Graphit als neuer Flaschenhals
Die Aufrüstung mit autonomen Systemen erzeugt einen Rohstoffbedarf, der bislang wenig im Fokus stand. Die Nachfrage nach Batterien für Verteidigungszwecke lag 2025 bei 4,34 Gigawattstunden, wobei rund 40 Prozent auf Drohnen entfielen. Graphit gilt dabei als Schlüsselkomponente für Batteriezellen in militärischen Anwendungen.
Ein Hinweis darauf liefert das Pilotprogramm von Focus Graphite am Standort Lac Knife, das Ende Juli anlief: Aus acht Tonnen Erz mit einem Kohlenstoffgehalt von 18,9 Prozent entstanden 850 Kilogramm Konzentrat mit einer Reinheit von 95 bis 98,7 Prozent Kohlenstoff.
Solche Projekte gewinnen an Bedeutung, seit eine US-Präsidialverfügung von Ende Juli Lieferketten aus den USA oder verbündeten Staaten einfordert. Für Rüstungskonzerne wie Rheinmetall bedeutet das: Wer künftig autonome Systeme in Serie bauen will, braucht gesicherten Zugriff auf strategische Materialien – nicht nur auf Stahl und Sprengstoff, sondern zunehmend auf Batteriechemie.
Kursbild bleibt von Erholung geprägt
Die Rheinmetall-Aktie notiert am Mittwoch bei 1.206,80 Euro und gibt damit leicht nach. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 22 Prozent, was die jüngste Erholungsbewegung nach den schwächeren Vormonaten unterstreicht. Der Titel bleibt allerdings mit einem Abstand von rund 40 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro von den Ständen aus dem Oktober weit entfernt.
Die Rohstoff-Frage dürfte für Anleger an Gewicht gewinnen, je stärker sich der Konzern von klassischen gepanzerten Fahrzeugen in Richtung unbemannter, batteriebetriebener Systeme bewegt. Analyst Maximilian Berger bezeichnete Rohstoffe in diesem Zusammenhang als den „übersehenen Hebel“ der Roboter-Aufrüstung.
Wie stark sich diese Abhängigkeit tatsächlich auf Margen und Lieferfähigkeit auswirkt, dürfte sich erst zeigen, wenn die Komodo-Plattform und vergleichbare Systeme in größerer Stückzahl produziert werden.
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