Rheinmetall hat in den vergangenen zwei Wochen gleich mehrere neue Rüstungsaufträge vermeldet – doch am Aktienmarkt überwiegt derzeit die Skepsis einzelner Analysehäuser. Die Aktie notiert aktuell bei 1.131,20 Euro und damit unter dem Schlusskurs vom Freitag von 1.156,40 Euro.
Neue Aufträge treffen auf Prognosesenkung
Das Unternehmen erhielt von der Bundeswehr einen Auftrag über mehr als 500 Millionen Euro für 149 zusätzliche mobile Sanitätsstationen, deren Produktion im ersten Quartal 2027 anlaufen soll. Hinzu kommt ein Auftrag der dänischen Streitkräfte für das Täuschkörpersystem MASS, über den das Unternehmen gestern berichtete – seither hat die Aktie rund 2,2 Prozent verloren.
Lieferungen an Dänemark sollen ab dem vierten Quartal 2027 erfolgen; bereits Mitte des Monats war ein zweistelliger Millionen-Auftrag aus demselben Land für dasselbe System bekannt geworden.
Diese Auftragsflut steht im Kontrast zu den Zahlen, die Rheinmetall vor gut drei Wochen vorgelegt hatte – seither hat die Aktie etwa 1,6 Prozent nachgegeben.
Im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 3,289 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 562 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr summierten sich Umsatz auf 5,2 Milliarden Euro und operatives Ergebnis auf 786 Millionen Euro.
Zugleich senkte das Unternehmen die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro – Folge des verlorenen Marineschiffauftrags F126. Der Auftragsbestand liegt weiterhin bei über 80 Milliarden Euro, gestützt unter anderem durch das rumänische Programm über rund 5,7 Milliarden Euro sowie deutsche Munitions- und Fahrzeugaufträge.
Analysten uneins über den fairen Wert
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen nach den Zahlen deutlich auseinander. Kepler Cheuvreux senkte am vergangenen Montag zwar das Kursziel auf 1.924,00 Euro, bestätigte aber die Einstufung „Kaufen“ – die Distanz zum aktuellen Kursniveau bleibt damit erheblich. JPMorgan hielt am selben Tag an der Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro fest.
Deutlich negativer positionierte sich mwb research: Das Haus hatte die Aktie bereits Anfang August von „Halten“ auf „Verkaufen“ herabgestuft und das Kursziel auf 1.050 Euro gesenkt. Am Mittwoch vergangener Woche bekräftigte mwb research diese Verkaufsempfehlung. Die Spanne der Kursziele – von 1.050 bis 1.924 Euro – spiegelt die Unsicherheit darüber wider, wie stark der Verlust des F126-Programms die künftige Ertragskraft belastet.
Charttechnisches Bild bleibt angeschlagen
Der Kursverlauf der vergangenen Monate zeigt den Vertrauensverlust deutlich: Seit Jahresanfang steht ein Minus von 27 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 32 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht im Oktober, trennen die Aktie inzwischen 44 Prozent.
Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Balanceakt zwischen prall gefülltem Auftragsbuch und der Frage, ob die gesenkte Jahresprognose bereits das Ende der Enttäuschungen markiert oder ob weitere Rückschläge drohen.
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