Rheinmetall vermeldete in den vergangenen Tagen gleich mehrere neue Aufträge und Kooperationen. Der Aktienkurs reagierte trotzdem negativ. Am Freitag schloss der Titel bei 993,00 Euro, ein Minus von 1,90 Prozent. Die Schere zwischen operativer Dynamik und Kursentwicklung prägt aktuell das Bild des Düsseldorfer Rüstungskonzerns.
Kuwait bestellt Schiffsschutzsystem MASS
Am 10. Juli bestellten die kuwaitischen Seestreitkräfte erstmals das Täuschkörperwerfersystem MASS von Rheinmetall. Der Konzern rüstet damit acht Schiffe aus. Der Auftragswert für die Werfer liegt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Hinzu kommt Omnitrap-Munition im hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Rheinmetall verbuchte den Gesamtauftrag im zweiten Quartal 2026. Die Lieferung beginnt in diesem Quartal und läuft bis zum zweiten Quartal 2029 – im Rahmen des größten Schiffbauprogramms Kuwaits seit über 15 Jahren.
Einen Tag zuvor, am 9. Juli, beauftragte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr eine Arbeitsgemeinschaft aus MBDA Deutschland und Rheinmetall Waffe Munition. Sie soll ein Hochenergie-Laserwaffensystem für die Marine entwickeln. Der Vertragswert liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, die Einsatzbereitschaft ist bis 2029 geplant.
Neues Joint Venture in Kroatien
Bereits am 8. Juli stellte Rheinmetall ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit dem kroatischen Spezialisten DOK-ING vor. Rheinmetall Unmanned Vehicles d.o.o. markiert den Start einer langfristigen industriellen Partnerschaft. Das Ziel: Kroatien soll zu einem Zentrum für unbemannte Systeme werden.
Lockheed-Martin-Absichtserklärung zu ATACMS
Am 7. Juli, am Rande des NATO-Gipfels in Ankara, unterzeichneten Rheinmetall und Lockheed Martin eine Absichtserklärung. Sie wollen das Raketensystem ATACMS künftig gemeinsam in Europa produzieren. Die Vereinbarung soll den akuten Bedarf an lokal produzierter Munition in Europa decken.
Mit Unterstützung der US-Regierung und der Bundesregierung gilt sie als Schritt hin zu einem gemeinsamen Unternehmen. Dieses Joint Venture soll als erstes europäisches Kompetenzzentrum für Fertigung, Integration und Verteilung von ATACMS an NATO-Streitkräfte dienen.
Die Produktion soll in Unterlüß in Niedersachsen entstehen. Dort steht eine Raketenmotorenfabrik kurz vor der Fertigstellung. Die Fertigung von Raketenmotoren und Lenkflugkörper-Komponenten soll frühestens 2027 beginnen.
Allerdings handelt es sich noch nicht um einen bindenden Vertrag. Ob daraus ein genehmigtes Gemeinschaftsunternehmen wird, hängt von der Zustimmung der US-Regierung ab. Der Technologietransfer für ATACMS braucht grünes Licht aus Washington.
Beobachter weisen außerdem darauf hin: Das Ergebnis bleibt hinter dem zurück, was Rheinmetall ursprünglich forderte. Vor mehr als einem Jahr hatte CEO Armin Papperger auch eine lizenzierte europäische Fertigung des Patriot-PAC-3-Abfangflugkörpers verlangt.
Kurs bleibt unter Druck
Trotz der Häufung positiver Meldungen konnte die Aktie ihre Talfahrt nicht stoppen. Auf Wochensicht verlor der Titel 9,48 Prozent, auf Monatssicht 16,96 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 38,00 Prozent zu Buche. Gegenüber dem Kurs vor zwölf Monaten beträgt der Rückgang 46,25 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.995,00 Euro aus dem September 2025 trennen die Aktie nun mehr als die Hälfte des Werts. Zum jüngsten 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro beträgt der Puffer nur noch rund zehn Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 47,17 Milliarden Euro.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.168,88 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1.518,21 Euro. Beide Linien liegen damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau.
Der RSI von 37,2 signalisiert eine kurzfristig überverkaufte Situation. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität zeigt: Mit 68,77 Prozent hält die Nervosität am Markt an.
Ausblick
Analysten diskutieren mögliche Gründe für die Diskrepanz zwischen Auftragslage und Aktienkurs. Ein Erklärungsansatz: Die NATO verschiebt ihre Ausgabenprioritäten weg von klassischen Landsystemen hin zu Luftverteidigung, Drohnen und sogenannten Deep-Strike-Fähigkeiten. Dieser Trend könnte europäische Rüstungskonzerne mit starkem Landsystem-Fokus unter Druck setzen.
Am 6. August legt Rheinmetall Quartalszahlen vor. Dort dürfte der Konzern erklären, wie er die weggefallenen F126-Volumina kompensieren will. Die neuen Aufträge aus Kuwait, Kroatien und dem Laserwaffen-Programm liefern dafür bereits erste Bausteine.
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