Während der Konzern binnen weniger Tage gleich mehrere neue Aufträge und Fortschritte vermeldet, bleibt die Aktie unter Druck. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 978,00 Euro, ein Plus von 1,85 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 37,03 Prozent zu Buche, und der Kurs bewegt sich nur noch rund 8,37 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom 25. Juni.
Bank of America senkt Kursziel
Die Analysten von Bank of America haben am 18. Juli ihr Kursziel für Rheinmetall auf 1.300 Euro gesenkt. Als Begründung nennen sie Kritik an der aktuellen Portfolio-Zusammensetzung des Konzerns. Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der Rheinmetall bereits mit den Folgen jüngster Projektstornierungen kämpft, und verstärkt damit den Druck auf den Aktienkurs zusätzlich.
Bereits am 15. Juli hatte J.P.-Morgan-Analyst David H. Perry auf ein anderes Risiko hingewiesen: Er warnte vor rasanten technologischen Veränderungen in der Verteidigungstechnik und äußerte Zweifel, ob Rheinmetall seine Auftragseingangsziele für das zweite Quartal erreichen kann. Der Relative-Stärke-Index der Aktie liegt aktuell bei 37,5 und signalisiert damit eine überverkaufte Marktlage – ein technischer Indikator, der die fundamentale Debatte um die Wachstumsstory allerdings nicht ersetzt.
Auftragsflut trotz Kursdruck
Operativ zeigt sich Rheinmetall in den vergangenen Wochen ungewöhnlich aktiv. Am 14. Juli bestätigte der Konzern die erste Auslieferung einer niedrigen fünfstelligen Anzahl von 155-mm-Artilleriemunition aus dem neuen Werk in Unterlüß in Niedersachsen zur Unterstützung der Ukraine. Der Abschluss des Gesamtauftrags für 2026 ist geplant.
Einen Tag zuvor sicherte sich Rheinmetall als Teil des von Raytheon UK geführten „Omnia-Training-Konsortiums“ einen Anteil von knapp einer Milliarde Euro an einem 15-jährigen Dienstleistungsvertrag zur Digitalisierung der Gefechtsausbildung der britischen Streitkräfte. Parallel dazu übertrug das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr Rheinmetall MAN Military Vehicles die Projektverantwortung für „InterRoC VII“, ein Forschungsvorhaben zu hochautomatisierten, interoperablen Militärkonvois.
Bereits am 9. Juli hatte das Bundesamt mit der Arbeitsgemeinschaft aus MBDA Deutschland und Rheinmetall Waffe Munition einen Vertrag über die Entwicklung eines Hochenergie-Laserwaffensystems für die deutsche Marine unterzeichnet. Das Auftragsvolumen liegt im mittleren dreistelligen Millionenbereich, die Einsatzbereitschaft ist bis 2029 geplant.
Diese Meldungsdichte kontrastiert mit dem Rückschlag Ende Juni: Die Bundesregierung stoppte damals das Fregatten-Projekt F126, wodurch Rheinmetall ein bedeutender Großauftrag entging. Das Ereignis löste einen massiven Kurssturz aus. Unmittelbar danach griffen Vorstandschef Armin Papperger über die ATP Holding sowie die Aufsichtsräte Andreas Georgi und Jutta Roosen-Grillo zu Kursen zwischen 953 und 955 Euro selbst zu – ein Signal, das viele Beobachter als Vertrauensbeweis in die eigene Aktie werteten.
Blick auf die Halbjahreszahlen
Der Markt richtet den Blick nun auf den 6. August, wenn Rheinmetall seinen Zwischenbericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 vorlegt. Im Zentrum des Anlegerinteresses steht dabei, ob der Konzern seine operative Zielmarge von rund 19 Prozent bestätigen kann. Angesichts der jüngsten Auftragsserie einerseits und der skeptischen Analystenstimmen andererseits dürften die Zahlen zeigen, ob sich die operative Dynamik in konkreten Finanzkennziffern niederschlägt. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen neuen Milliardenaufträgen und gesenkten Kurszielen gefangen – ein Spannungsfeld, das sich auch in der hohen Schwankungsbreite des Papiers widerspiegelt.
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