Rheinmetall hat sich aus dem Griff eines monatelangen Abwärtstrends befreit. Der Rüstungskonzern führte am Dienstag den DAX an, am Mittwoch geht die Erholung vorbörslich weiter. Hinter dem Kurssprung stecken handfeste operative Nachrichten aus Berlin und dem Konzern selbst.
Der Kurs testet die 1.100-Euro-Marke
Die Aktie notiert vorbörslich bei 1.101,00 Euro. Das sind 1,01 Prozent mehr als der gestrige Schlusskurs von 1.090,00 Euro. Mit diesem Sprung hat das Papier den seit Jahresbeginn intakten Abwärtstrendkanal nach oben verlassen.
Der Kurs bleibt damit deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das erst Ende Juni markiert wurde. Das übergeordnete Bild bleibt trotzdem angespannt: Seit Jahresanfang steht immer noch ein Minus von 29,08 Prozent zu Buche. Der jüngste Ausbruch ändert daran wenig — er ist eine kurzfristige Erholung, keine Trendwende im großen Bild.
Neuer Bundeswehr-Auftrag und Konzernumbau
Die charttechnische Erholung fußt auf soliden operativen Nachrichten. Am Montag meldete Rheinmetall, dass die Bundeswehr einen bestehenden Rahmenvertrag erweitert hat. Die Tochtergesellschaft Rheinmetall MAN Military Vehicles soll 56 weitere Schwerlasttransporter des Typs „Elefant 2″ liefern, verteilt auf 2026 und 2027. Der Brutto-Auftragswert dieser Tranche liegt bei rund 60,5 Millionen Euro.
Parallel treibt das Management den Konzernumbau voran. Bereits im Juni unterzeichnete Rheinmetall den Kaufvertrag für den Verkauf der zivilen Sparte „Power Systems“ an die Beteiligungsgesellschaft AEQUITA. Der vorläufige Kaufpreis liegt bei 350 Millionen Euro. Rheinmetall erwartet den Abschluss der Transaktion im vierten Quartal 2026, sofern die Behörden zustimmen.
Der Schritt passt zur Strategie: weg von margenschwachen Randbereichen, hin zu hochmargigen Großsystemen. Das gewinnt an Bedeutung, weil die Bundesregierung im Haushaltsentwurf 2027 die Munitionsbeschaffung kürzen will — von 11 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 9,6 Milliarden Euro. Rheinmetalls Fokus auf Großsysteme statt Munition könnte den Konzern von dieser Kürzung abschirmen.
Nächste Hürde: 1.112 Euro
Für eine nachhaltige Trendwende muss die Aktie eine weitere Hürde nehmen. Die waagerechte Widerstandslinie bei 1.112 Euro gilt als nächste charttechnische Marke. Ein dauerhafter Ausbruch darüber könnte den Weg für weitere Zuwächse ebnen.
Am 6. August legt Rheinmetall die Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Markt dürfte dabei genau auf die Margen im Rüstungssegment schauen — und darauf, ob das Management seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt oder anpasst.
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