Rheinmetall treibt den Ausbau seiner Munitionsproduktion voran. Am Mittwoch legte der Konzern den Grundstein für die Erweiterung der Pulverfabrik in Aschau am Inn. Das Projekt trägt den Namen „Firepower“ und sieht eine Investition von rund 350 Millionen Euro vor. Ziel ist es, die Kapazität bis 2028 auf über eine Million Treibladungsmodule pro Jahr zu steigern.
Ausbau in Aschau als Antwort auf anhaltende Nachfrage
Die Erweiterung des Werks in Aschau am Inn zählt zu den größten Einzelinvestitionen des Konzerns in der laufenden Aufrüstungswelle europäischer Streitkräfte. Mit der geplanten Kapazität von über einer Million Treibladungsmodulen jährlich will Rheinmetall seine Position als zentraler Zulieferer für Artilleriemunition festigen. Die Grundsteinlegung markiert den Beginn der Bauphase, die konkrete Kapazitätssteigerung soll erst 2028 erreicht sein – ein Zeithorizont, der die langfristige Ausrichtung des Konzerns auf steigende Nachfrage unterstreicht.
Für Anleger bleibt die Frage, wie sich derartige Kapazitätsinvestitionen mit der aktuellen Kursentwicklung vereinbaren lassen. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.032,60 Euro, nach einem Tagesgewinn von 1,29 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Plus von 5,34 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass sich der Titel von seinen jüngsten Tiefs zumindest kurzfristig erholt.
Nachwirkungen der F126-Absage belasten weiterhin
Der mittelfristige Trend bleibt dennoch angeschlagen. Anfang Juli hatte das Bundesministerium der Verteidigung das Milliardenprojekt für sechs Fregatten des Typs F126 an den Wettbewerber ThyssenKrupp Marine Systems vergeben. Rheinmetall ging bei der Vergabe leer aus. Die Nachricht über das Scheitern des Projekts hatte bereits im Juni einen Kursrückgang von 18,7 Prozent ausgelöst – ein Einbruch, dessen Spuren sich bis heute in den technischen Indikatoren zeigen. Der Titel notiert derzeit rund 7,56 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und liegt mehr als 30 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.
Der Rückschlag bei der Marinesparte zeigt, dass Rheinmetall trotz voller Auftragsbücher im Landsystembereich nicht vor Enttäuschungen gefeit ist. Die Diversifizierung über mehrere Rüstungssegmente hinweg wirkt gegen einzelne Auftragsverluste offenbar nur bedingt dämpfend.
Analysten sehen strukturellen Wandel im Munitionsgeschäft
Am 20. Juli senkte Bank of America-Analyst Benjamin Heelan das Kursziel für Rheinmetall von 1.770 auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Begründung nannte er einen strukturellen Wandel der Kriegsführung hin zu Drohnen und Präzisionswaffen, der das klassische Munitionsgeschäft zunehmend unter Druck setze. Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der der Aktienkurs bereits deutlich von seinem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober entfernt ist – der Abstand beträgt aktuell 48,55 Prozent.
Die Kursziel-Senkung verdeutlicht, dass selbst optimistisch gestimmte Analysten die langfristigen Wachstumsannahmen für die traditionelle Munitionssparte hinterfragen, während gleichzeitig neue Kapazitäten wie in Aschau am Inn aufgebaut werden.
Blick auf den Quartalsbericht
Am 6. August veröffentlicht Rheinmetall den Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026. Anleger dürften dabei vor allem darauf achten, wie sich der Auftragsbestand im Munitionsgeschäft angesichts der divergierenden Signale entwickelt hat – zwischen dem milliardenschweren Kapazitätsausbau in Aschau und den skeptischeren Tönen aus der Analystengemeinde zur langfristigen Nachfrage nach klassischer Artilleriemunition.
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