Rheinmetall meldet am heutigen Dienstag gleich zwei technologische Meilensteine – und die Börse reagiert mit Kursverlusten. Die Aktie fällt um 3,2 Prozent auf 1.078,40 Euro und rutscht damit unter ihren 50-Tage-Durchschnitt von 1.089,25 Euro. Der Rückgang setzt einen Abwärtstrend fort, der die Aktie bereits am Vortag rund 3,2 Prozent gekostet hatte.
Erster Lynx-Prototyp bei der US-Armee
Im Zentrum der Nachrichtenlage steht die Auslieferung des ersten von acht Lynx-XM30-Prototypen an die US-Armee durch die US-Tochter American Rheinmetall. Damit beginnt die Entwicklungs- und Leistungstestphase im Rahmen eines EMD-Vertrags über rund 764 Millionen US-Dollar.
Sieben weitere Prototypen sollen im laufenden Jahr folgen, gefertigt in den Werken Plymouth (Michigan) und Slidell (Louisiana). Das Fahrzeug verfügt über einen hybrid-elektrischen Antrieb und wird gemeinsam mit einem Konsortium aus Textron, Raytheon, L3Harris, Allison und Anduril entwickelt.
Die eigentliche Dimension des Programms liegt jedoch weiter voraus: Insgesamt plant die US-Armee die Beschaffung von rund 4.000 Fahrzeugen mit einem Auftragsvolumen von mehr als 45 Milliarden US-Dollar.
Die endgültige Vergabeentscheidung fällt laut Berichten erst Ende 2027, Hauptkonkurrent ist General Dynamics. Rheinmetall-Chef Papperger setzt nach eigenen Aussagen konsequent auf Wachstum im US-Markt und arbeitet dabei auch mit Lockheed Martin zusammen.
LUNA NG erhält vorläufige Zulassung
Parallel zur Panzer-Nachricht erteilte das Luftfahrtamt der Bundeswehr der Aufklärungsdrohne LUNA NG eine vorläufige Verkehrszulassung. Das System erfüllt damit zivile Sicherheitsstandards und darf künftig auch über dicht besiedeltem Gebiet fliegen. Grundlage sind rund 150 Testflüge mit etwa 200 Flugstunden. Die Bundeswehr führt das System unter der Bezeichnung HUSAR ein, die Flugzeit liegt bei über zwölf Stunden pro Einsatz.
Warum die Aktie trotzdem nachgibt
Trotz der positiven Meldungen setzt sich der Kursrückgang fort – ein Muster, das Analysten bereits als Marktphänomen einordnen. Die Deutsche Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.800 Euro und verweist auf die langfristige Auftragsperspektive der beiden Programme. Der Markt scheint die Nachrichten dagegen bereits eingepreist zu haben oder blendet sie angesichts der laufenden Korrektur aus.
Weitere Vorhaben verstärken das Bild eines expandierenden Konzerns: Rheinmetall plant ein neues Technologiezentrum in Neuss mit 500 Wissenschaftlern für Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Satellitentechnik, verbunden mit einer Investition von 250 Millionen Euro.
Zudem soll das Panzerwerk Kassel im Rahmen des Arminius-Projekts zum größten Europas ausgebaut werden – gestützt auf Bundeswehr-Bestellungen von fast 40 Milliarden Euro für über 1.500 Boxer-Fahrzeuge. Die Belegschaft in Kassel soll bis Ende 2028 von 2.200 auf 3.000 Mitarbeiter wachsen, der Umsatz am Standort von 1,5 auf 5 Milliarden Euro steigen.
Der Konzern zählt derzeit 2.300 offene Stellen in Deutschland, überwiegend im Industriebereich. Die Diskrepanz zwischen operativer Auftragsdynamik und Kursentwicklung dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen – zumal die endgültige Vergabeentscheidung für das milliardenschwere US-Panzerprogramm noch Jahre entfernt liegt.
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