Rheinmetall erhält weiterhin Rüstungsaufträge aus den USA, doch die Nachrichten können den Abwärtstrend der Aktie nicht stoppen. Am Donnerstag erhielt American Rheinmetall von den US Marines einen Auftrag über 7,3 Millionen US-Dollar für zwölf Mission-Master-SP-Fahrzeuge samt amphibischer Kits.
Bereits zwei Tage zuvor hatte Kongsberg Defence & Aerospace dem Unternehmen einen Zulieferauftrag über rund 710.000 US-Dollar zur Fertigung von Komponenten für MCT-30-Türme des ACV-30-Programms der US Marines erteilt, mit Auslieferungen in den Jahren 2026 und 2027.
Die Meldungen zeigen: Operativ läuft das US-Geschäft weiter rund. Doch am Kapitalmarkt zählt derzeit ein anderes Thema mehr. Am Freitag rutschte die Aktie unter die Marke von 1.000 Euro und schloss bei 993,00 Euro, ein Minus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,0 Prozent zu Buche.
Analystenlager bleibt gespalten
Die Meinungen der Investmentbanken zu Rheinmetall driften auseinander. BNP Paribas senkte am Freitag zwar das Kursziel, bestätigte aber die Einstufung Outperform.
JPMorgan wiederum bekräftigte am selben Tag die neutrale Haltung und beließ die Aktie auf „Negative Catalyst Watch“ – eine Einstufung, die das Haus bereits Anfang des Monats vergeben hatte. Diese Gemengelage aus vorsichtiger Zurückhaltung einzelner Häuser und weiterhin optimistischen Stimmen sorgt für erhöhte Unsicherheit unter Anlegern.
Belastend wirkt weiterhin die im Halbjahresbericht vom 6. August offengelegte Kürzung der Umsatzprognose für 2026. Nachdem das F126-Fregattenprojekt an TKMS ging, senkte Rheinmetall das Umsatzziel um 300 Millionen Euro auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro.
Für das erste Halbjahr 2026 hatte der Konzern zuvor einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro, ein operatives Ergebnis von 786 Millionen Euro und eine operative Marge von 15 Prozent gemeldet – Zahlen, die für sich genommen solide wirkten, aber vom Fregatten-Verlust überschattet wurden.
Sektor insgesamt unter Druck
Der Kursrückgang bei Rheinmetall steht nicht isoliert da. Medienberichten zufolge geriet der gesamte europäische Rüstungssektor zuletzt unter Verkaufsdruck, ausgelöst durch eine Kombination aus Gewinnmitnahmen nach der starken Rally der vergangenen Quartale und einer Serie skeptischer Analystenkommentare.
Der Auftragsbestand von Rheinmetall lag zum Halbjahr bei 80,5 Milliarden Euro – ein Polster, das operative Stabilität signalisiert, aber die kurzfristige Stimmung am Aktienmarkt derzeit kaum aufhellen kann.
Für Anleger bleibt die Lage zweigeteilt: Das operative Geschäft mit stetigem Auftragsfluss aus den USA und einem prall gefüllten Orderbuch steht einer Aktie gegenüber, die unter dem Eindruck gesenkter Prognosen und vorsichtiger Analystenkommentare deutlich Federn gelassen hat. Ob sich beide Entwicklungen wieder annähern, dürfte sich erst zeigen, wenn neue Geschäftszahlen oder klare Signale aus dem Analystenlager vorliegen.
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