Rheinmetall treibt den Ausbau seines Panzerstandorts Kassel voran und meldet gleichzeitig einen empfindlichen Kursrückgang. Der Konzern investiert über 260 Millionen Euro in einen Defence Hub am Kassel Airport in Calden – samt Logistikzentrum, Trainingsbereich und einem geplanten Drohnen-Kompetenzzentrum mit der TU Darmstadt. Trotz dieser Wachstumssignale schloss die Aktie am Freitag bei 1.036,00 Euro, ein Minus von 3,2 Prozent an einem einzigen Handelstag.
Milliardenprojekt „Arminius“ als Kurstreiber der Zukunft
Im Zentrum der Standortpläne steht das Projekt „Arminius“: Rheinmetall will in Kassel das größte Panzerwerk Europas errichten. Die Belegschaft soll bis Ende 2028 von aktuell 2.200 auf 3.000 Beschäftigte wachsen, an anderer Stelle ist sogar von einem Ausbau auf 3.500 Mitarbeiter die Rede.
Grundlage sind Bundeswehr-Aufträge von fast 40 Milliarden Euro, darunter eine Boxer-Bestellung über 12,4 Milliarden Euro für mehr als 1.500 Fahrzeuge sowie weitere Rahmenverträge im Volumen von 14 bis 26 Milliarden Euro.
Eine Entscheidung über den finalen Ausbauumfang wird für September beziehungsweise Dezember erwartet. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 25 Millionen Euro und rechnet mit rund 1.000 neuen Arbeitsplätzen in der Region.
Diese Investitionssumme wirkt neben der Auftragslage des Konzerns fast bescheiden: Der Auftragsbestand von Rheinmetall lag zuletzt bei über 80 Milliarden Euro, im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 70 Prozent, das operative Ergebnis sogar um 115 Prozent bei einer stabilen Marge von rund 19 Prozent.
Dennoch senkte der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 – Folge des Verlusts des F126-Fregattenprogramms an die Konzerntochter TKMS. Die Peene-Werft Wolgast, ebenfalls im Rheinmetall-Besitz, hat dadurch nur noch bis Mitte 2027 gesicherte Arbeit und hofft nun auf neue Marineaufträge, etwa im Rahmen möglicher MEKO-Fregatten-Bestellungen. Rund 400 direkte Arbeitsplätze an der Werft hängen an dieser Auftragslücke.
Warum Anleger trotz guter Zahlen nervös bleiben
Der Kursverfall der vergangenen Wochen fällt deutlich aus: Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 9,9 Prozent, auf Monatssicht 14 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33 Prozent zu Buche, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober 2025 beträgt der Abstand inzwischen 48 Prozent.
Der 14-Tage-RSI von 35,8 signalisiert eine überverkaufte Situation, die Volatilität liegt mit 39 Prozent auf Jahressicht auf hohem Niveau. Anleger diskutieren offen über die Bewertung des Rüstungskonzerns und fragen sich, ob die Wachstumsstory noch die frühere Euphorie rechtfertigt.
Auf der anderen Seite bleiben internationale Perspektiven bestehen: In den USA steht mit der Bradley-Erneuerung ein Programm im Volumen von mehr als 45 Milliarden US-Dollar im Raum, eine Entscheidung wird für Ende 2027 erwartet. Litauen orderte zudem für 250 Millionen Euro.
Die Deutsche Bank hält trotz der jüngsten Kursschwäche an einem Kursziel von 1.800 Euro fest – ein deutlicher Kontrast zum aktuellen Kursniveau und ein Indiz dafür, dass die operative Substanz des Konzerns aus Sicht der Analysten von den Marktturbulenzen unberührt bleibt.
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