Rheinmetall treibt seine Expansion an mehreren Fronten voran. Während der Rüstungskonzern zuletzt mit dem Ausbau der Panzerproduktion in Kassel für Schlagzeilen sorgte, rückt nun ein anderes Geschäftsfeld in den Fokus: die militärische Logistik in Litauen und ein neues Joint Venture für Satellitenkommunikation.
Erster Abruf unter G-CAP II
Am Dienstag vergangener Woche erhielt Rheinmetall den ersten Abrufauftrag unter dem Programm G-CAP II. Das Unternehmen soll in Litauen ein modulares Lager errichten, der Auftragswert liegt bei 250 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Servicevertrag, der jährlich 40 Millionen Euro einbringen soll.
Die Inbetriebnahme ist für Mitte August 2027 geplant. Das Unternehmen bestätigte den Auftrag auch auf seiner Investor-Relations-Seite als ersten Abruf unter dem German Armed Forces Contractor Augmentation Program II.
Der Auftrag zeigt, wie Rheinmetall neben der klassischen Waffen- und Munitionsproduktion zunehmend auch Infrastruktur- und Logistikleistungen für NATO-Partner übernimmt – ein Geschäftsfeld, das planbare, mehrjährige Erlösströme verspricht.
Joint Venture mit OHB für Bundeswehr-Kommunikation
Am Montag wurde bekannt, dass Rheinmetall gemeinsam mit OHB ein Joint Venture gegründet hat, um sich um die militärische Kommunikationskonstellation des Bundes zu bewerben. Beide Unternehmen reichten laut Reuters ein gemeinsames Angebot ein.
Der Vorstoß zeigt, dass Rheinmetall seine Rolle im deutschen Rüstungssektor über Landsysteme hinaus auf Raumfahrt- und Kommunikationstechnologie ausdehnt – ein Feld, in dem der Wettbewerb um staatliche Aufträge zunehmend härter wird.
Prognosekürzung nach F126-Aus wirkt nach
Die Nachrichtenlage bleibt für Rheinmetall nicht ungetrübt. Nach der Aufgabe des deutschen Fregattenprogramms F126 hatte der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, zuvor waren 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro veranschlagt. Diese Anpassung wurde in der jüngeren Börsenberichterstattung erneut aufgegriffen und dürfte mit zur verhaltenen Kursentwicklung der vergangenen Wochen beigetragen haben.
Kurs unter Druck, Analysten uneins
Die Aktie steht spürbar unter Druck: Seit Jahresbeginn hat das Papier 28 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 36 Prozent. Zum Schluss des Montagshandels notierte die Aktie bei 1.114,20 Euro, nach einem Tagesverlust von 3,1 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht Anfang Oktober, trennen das Papier nun 44 Prozent.
Die Einschätzungen der Analysten fallen entsprechend gespalten aus. Die Deutsche Bank bestätigte Anfang August ein Kaufvotum mit Kursziel 1.700 Euro, RBC Capital Markets sah das Papier bei Outperform mit einer Zielmarke von 1.600 Euro.
JPMorgan hatte die Aktie bereits im Mai von Overweight auf Neutral zurückgestuft und das Kursziel im Juli auf 1.350 Euro gesenkt; Mitte August bekräftigte das Haus diese vorsichtigere Haltung. Die Bandbreite der Kursziele spiegelt die Unsicherheit wider, wie stark Programmverzögerungen wie beim F126-Aus das Wachstumstempo des Konzerns bremsen.
Heute steht Rheinmetall zudem auf der Agenda des Berenberg Stockholm Seminars – ein Termin, den Investoren nutzen dürften, um weitere Details zur Auftragslage in Litauen und zum neuen Kommunikationsgeschäft zu erfragen.
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