Rheinmetall hat am Mittwoch einen weiteren Bundeswehr-Auftrag erhalten und damit die Aktie deutlich nach oben gezogen. Das Papier schloss bei 1.146,00 Euro, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vortag. Auslöser war ein modulares Camp im Rahmen des German Armed Forces Contractor Augmentation Program II.
Auftragsvolumen von 250 Millionen Euro
Konkret geht es um den Aufbau eines modularen Feldlagers in Litauen. Das Auftragsvolumen für Errichtung und Aufbau beläuft sich auf 250 Millionen Euro, hinzu kommen jährlich 40 Millionen Euro für den anschließenden Betrieb.
Die Inbetriebnahme ist ab Mitte August 2027 geplant. Für Rheinmetall ist der Auftrag ein weiterer Baustein im wachsenden Servicegeschäft rund um die Bundeswehr-Präsenz im Baltikum, das neben dem reinen Wehrmaterial zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Der Auftrag reiht sich in eine Serie positiver Nachrichten der vergangenen Wochen ein. Bereits Mitte August hatten Rheinmetall Air Defence und Hensoldt bei der Luftwaffenübung Timber Express 2026 einen Meilenstein erreicht: Die Integration passiver Sensortechnologie für eine künftige vernetzte Luftverteidigung gelang erfolgreich. Solche technologischen Fortschritte untermauern die Position des Konzerns als einer der zentralen Rüstungslieferanten in Europa.
Quartalszahlen zeigen starkes Wachstum, aber auch Bremsspuren
Den fundamentalen Hintergrund für die jüngste Kursentwicklung liefern die Anfang August veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal. Der Umsatz stieg um 69 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu. Die operative Marge kletterte von 13,4 auf 17,1 Prozent. Der Gewinn je Aktie fiel dagegen leicht um 8 Prozent auf 2,66 Euro.
Rheinmetall passte im Zuge der Quartalsvorlage auch die Jahresprognose an: Der Umsatz soll 2026 zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro liegen, organisch entspricht das einem Wachstum von 28 bis 31 Prozent. Die operative Marge wird bei rund 19 Prozent erwartet, die Cash Conversion Rate soll über 40 Prozent liegen.
Allerdings kürzte der Konzern die Guidance um 300 Millionen Euro, nachdem das Fregattenprogramm F126 gestoppt wurde. Der Auftragsbestand wuchs zum Ende des zweiten Quartals dennoch auf 80 bis 80,5 Milliarden Euro, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 70 Prozent davon sind Festaufträge, das Verhältnis von Neuaufträgen zu Umsatz liegt über dem Faktor drei.
Analysten uneins über weiteres Kurspotenzial
Die jüngsten Einschätzungen der Analysten fallen gegensätzlich aus. mwb research stufte Rheinmetall am 8. August von „Hold“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro. Als Begründung nannte das Haus ein ungünstigeres Chance-Risiko-Verhältnis, eine halbierte Investitionsquote von 8 bis 9 Prozent sowie das gesenkte Backlog-Ziel.
Goldman-Sachs-Analyst Sam Burgess bestätigte hingegen am 6. August ein Kursziel von 2.300 Euro und die Einstufung „Buy“ – auf Basis des damaligen Kurses ein Aufwärtspotenzial von 93,21 Prozent.
Die Aktie bewegt sich derzeit rund 43 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das sie Anfang Oktober markiert hatte. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 26 Prozent zu Buche. Der jüngste Auftrag aus Litauen liefert nun zumindest kurzfristig neuen Schwung für das schwer angeschlagene Papier.
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