Rheinmetall präsentiert sich auf der heute startenden ILA in Berlin erstmals als reiner Rüstungskonzern. Die Auftragsbücher quellen über. An der Börse herrscht trotzdem Skepsis. Ein schwaches erstes Quartal und ein neuer staatlicher Konkurrent bremsen die Euphorie der Anleger.
Abschied vom Autogeschäft
Der Konzern vollzieht den historischen Umbau. Anfang Juni unterschrieb das Management den Verkauf der Automotive-Sparte an den Investor AEQUITA. Etwa 6.200 Mitarbeiter wechseln den Arbeitgeber. Im vierten Quartal 2026 soll der Deal endgültig abgeschlossen sein. Auf der Messe zeigt Rheinmetall nun sein neues Gesicht. Drohnen, Satellitenaufklärung und Rumpfteile für den F-35-Kampfjet stehen im Fokus.
Milliardenaufträge treffen auf Lieferstau
Operativ brummt das Geschäft. Ende 2025 lag der Auftragsbestand bei rekordhohen 63,8 Milliarden Euro. Im laufenden Quartal füllt sich das Buch weiter. Die Bundeswehr bestellte kürzlich über 2.000 Militär-Lastwagen für mehr als eine Milliarde Euro. Hinzu kommen Laser-Licht-Module im dreistelligen Millionenwert.
Die Krux liegt in der Umsetzung. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz zwar auf 1,94 Milliarden Euro. Damit verfehlte Rheinmetall die Analystenerwartungen aber deutlich. Das Management vertröstet auf das zweite Halbjahr. Dann sollen die Auslieferungen anziehen. Das Jahresziel von mindestens 14 Milliarden Euro Umsatz bleibt bestehen.
Staatlicher Rivale drängt an die Börse
Ein weiterer Bremsklotz für den Kurs kommt aus Berlin. Die Bundesregierung baut den deutsch-französischen Panzerhersteller KNDS auf. Deutschland und Frankreich halten künftig jeweils 40 Prozent der Anteile. Im Sommer 2026 soll KNDS an die Börse gehen. Der Hersteller des Leopard 2 wird auf bis zu 20 Milliarden Euro bewertet. Damit betritt ein staatlich gestützter Schwergewichts-Konkurrent Rheinmetalls Kernmarkt.
Die Folge: Die Börse reagiert nervös. Aktuell notiert das Papier bei rund 1.203 Euro. Das bedeutet ein Minus von knapp 25 Prozent seit Jahresbeginn. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro verdeutlicht den massiven Abwärtsdruck.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch. Von 21 Beobachtern raten 18 zum Kauf. Am 6. August legt Rheinmetall die Halbjahreszahlen vor. Dann muss das Management beweisen, dass die Produktion anläuft und die Milliardenaufträge in echten Gewinn fließen.
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