Rheinmetall gerät zunehmend unter Druck – nicht durch fehlende Aufträge, sondern durch Zweifel an der Umsetzung bestehender Projekte. Interne Unterlagen von Bundeswehr und Beschaffungsamt BAAINBw kritisieren Verzögerungen bei zwei wichtigen Rüstungsprojekten, zudem kursieren Medienberichte über Qualitätsmängel bei Schutzplatten, deren Nutzung bereits zuvor untersagt worden war.
Die Aktie fiel daraufhin am 31. August um 3,79 Prozent auf 1.110,80 Euro. Der gesamte Rüstungssektor geriet in Mitleidenschaft, auch RENK, Hensoldt und TKMS gaben nach.
Am Freitag schloss das Papier bei 1.036,00 Euro, ein Minus von 3,2 Prozent im Tagesvergleich. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 9,9 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 14 Prozent.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie damit rund ein Drittel ihres Werts verloren und notiert etwa 48 Prozent unter dem im Oktober erreichten Rekordhoch von 2.007,00 Euro.
Guter Auftrag, schlechte Reaktion
Selbst positive Nachrichten verpuffen derzeit. Anfang September lieferte American Rheinmetall den ersten von acht Lynx XM30-Prototypen an die US-Armee aus, parallel erhielt das unbemannte Aufklärungssystem LUNA NG eine vorläufige Verkehrszulassung vom Bundeswehr-Luftfahrtamt.
Die Börse quittierte dies dennoch mit einem Kursverlust von rund 3 Prozent. Ähnlich lief es Mitte August, als die Bundeswehr einen Auftrag über mehr als 500 Millionen Euro für 149 mobile Rettungsstationen vergab – ein kurzfristiger Kursgewinn folgte, konnte den negativen Trend aber nicht drehen.
Das Muster zeigt: Anleger blicken derzeit weniger auf einzelne Auftragsmeldungen als auf die grundsätzliche Fähigkeit des Konzerns, Großprojekte termingerecht und in geforderter Qualität abzuliefern. Konzernchef Armin Papperger gerät wegen der gestoppten Großprojekte, der Lieferverzögerungen und einer stark auf ihn zugeschnittenen Führungsstruktur zunehmend unter Druck.
Gesenkte Prognose nach F126-Aus
Der Vertrauensverlust reicht bis in den Sommer zurück. Anfang Juli hatte das Bundesverteidigungsministerium das Fregattenprogramm F126 gestoppt, bei dem Rheinmetall als Lead Contractor fungierte – der Auftrag ging stattdessen an ThyssenKrupp Marine Systems für acht kleinere MEKO A-200-Fregatten.
Die Aktie stürzte damals zeitweise um 8,5 Prozent ab. Im August musste Rheinmetall daraufhin die Jahresprognose 2026 senken: Der Umsatz soll nun bei 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro liegen, die operative Marge bei rund 19 Prozent bleiben.
Dabei war der Halbjahresbericht operativ stark ausgefallen: Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro und übertraf damit die eigene Prognose von mehr als 60 Prozent Wachstum. Das operative Ergebnis von 562 Millionen Euro lag rund 20 Prozent über dem Analystenkonsens.
Der Auftragsbestand überschreitet mittlerweile 80 Milliarden Euro, unter anderem gestützt durch einen Loitering-Munition-Vertrag mit der Bundeswehr und ein SAFE-Auftragspaket mit Rumänien. Belastend wirkt allerdings ein deutlich negativer operativer Free Cashflow, der für das laufende Jahr erwartet wird.
Auch im Drohnengeschäft zeichnen sich Verzögerungen ab: Ein zunächst erwarteter Erstauftrag im Umfang von knapp einer Milliarde Euro über die Kooperation mit Boeing Australia für eine geplante Kampfdrohne der Luftwaffe dürfte ausbleiben, da die Bundeswehr offenbar zunächst Angebote von Wettbewerbern wie Helsing und Airbus abwarten will.
Kursziele weit vom aktuellen Niveau entfernt
Die technische Ausgangslage bleibt angeschlagen: Der 14-Tage-RSI notiert bei 35,8 und signalisiert eine überverkaufte Aktie, während der Kurs rund 26 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.398,02 Euro liegt.
Am 3. September bestätigte Deutsche Bank Research ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.800 Euro – die Einschätzung blieb am Markt praktisch wirkungslos. Einen Tag zuvor hatte mwb research die Aktie von „Sell“ auf „Hold“ hochgestuft, das Kursziel aber bei 1.050 Euro belassen und verwies auf ein KGV von 32 für 2026 sowie von 12 für 2030.
Im Blick der Anleger steht nun der 9. Dezember, wenn der Bundestag über das Arminius-Projekt abstimmt – einen Boxer-Radpanzer-Großauftrag mit einem Fixvertragsvolumen von rund 12,4 Milliarden Euro plus Servicevertrag über 2 Milliarden Euro.
Zwei Optionen könnten den Gesamtrahmen auf bis zu 26 Milliarden Euro heben. Ob ein solcher Milliardenauftrag ausreicht, um das seit Wochen erschütterte Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, bleibt angesichts der jüngsten Kursreaktionen auf positive Meldungen fraglich.
Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 5. September liefert die Antwort:
Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 5. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
