Rheinmetall und der U-Boot-Bauer TKMS kommen zusammen auf Auftragsbücher von 125 Milliarden Euro. Für Rheinmetall selbst rechnet das Unternehmen für 2026 mit einem Auftragsbestand von mehr als 100 Milliarden Euro. Damit rückt neben der reinen Rüstungsnachfrage zunehmend die Frage in den Fokus, wie sicher die dafür nötigen Rohstoffe verfügbar sind.
Die schiere Größe der Auftragspipeline verändert die Perspektive auf den Konzern. Wo bislang einzelne Aufträge im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich Schlagzeilen machten, geht es nun um die strukturelle Frage, ob die Lieferketten mit dem Wachstumstempo mithalten können. Seltene Erden und Graphit für elektronische Komponenten und Antriebe gelten als neuralgische Punkte einer Branche, die sich europaweit im Aufrüstungsmodus befindet.
Drohnen-Ausbau und US-Zölle als Nebenschauplatz
Parallel dazu baut Rheinmetall sein Geschäft mit unbemannten Systemen aus, unter anderem über die Übernahme von DOK-ING. Das Thema gewinnt zusätzliche Brisanz, weil die USA seit Mitte August neue Zölle auf Drohnen erheben – 100 Prozent auf Modelle über 25 Kilogramm, 25 Prozent auf kleinere Geräte.
Für Rheinmetall als europäischen Anbieter könnte sich daraus ein Wettbewerbsvorteil auf dem amerikanischen Markt ergeben, sollte sich die Zollpolitik als dauerhaft erweisen.
Auch operative Details aus dem Tagesgeschäft stützen das Bild eines expandierenden, aber nicht ganz reibungslos laufenden Konzerns: Im Forum der Anleger wird eine Verzögerung beim Skyranger-Programm diskutiert, die nach aktuellem Stand aber nur rund fünf Monate betragen soll – ein überschaubarer Dämpfer angesichts der Größenordnung der Gesamtaufträge.
Charttechnik: Entscheidung an der 100-Tage-Linie
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Wachstumsgeschichte und Konsolidierung in einem angespannten Chartbild wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.156,40 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangene Woche steht ein Rückgang von 4,0 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Plus von 14 Prozent – ein Hinweis darauf, wie volatil die Kursbewegungen zuletzt ausgefallen sind.
Damit bewegt sich der Titel derzeit im Bereich seines 100-Tage-Durchschnitts von 1.208,64 Euro, während der 200-Tage-Durchschnitt bei 1.429,58 Euro deutlich höher liegt – der Abstand dazu beträgt rund 19 Prozent.
Seit dem Rekordhoch von 2.007,00 Euro Anfang Oktober hat die Aktie damit einen erheblichen Teil ihrer Bewertung eingebüßt, notiert aber weiterhin gut 28 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro. Für Anleger bedeutet das: Der Kurs sucht nach einer Richtungsentscheidung, während das operative Bild – gemessen an Auftragsbestand und Geschäftsausbau – weiterhin nach oben zeigt.
Für die kommende Woche richtet sich der Blick vieler Marktteilnehmer auf den DZ Bank Expert Day am 27. August, bei dem weitere Einschätzungen zum Sektor und einzelnen Rüstungswerten erwartet werden. Bis dahin dürfte die Diskussion um Rohstoffversorgung und Lieferfähigkeit die kurzfristige Kursentwicklung mindestens ebenso stark prägen wie neue Auftragsmeldungen selbst.
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