Rheinmetall meldet zum Wochenbeginn mehrere Auftragserfolge. Der größte Brocken kommt aus Großbritannien: ein milliardenschweres Digitalisierungsprojekt für die britische Armee. Die Aktie reagiert mit einem Kursplus, bleibt aber weit von ihren alten Höchstständen entfernt.
Das Papier notiert aktuell bei 1.005,80 Euro. Das sind 1,29 Prozent mehr als am Freitag. Auf Jahressicht steht trotzdem ein Verlust von 37,2 Prozent.
Großbritannien vergibt Milliarden-Auftrag für Gefechtstraining
Die Tochtergesellschaft Rheinmetall Electronics UK gehört zum „Omnia Training“-Konsortium unter Führung von Raytheon UK. Das Konsortium hat den Zuschlag für das „Army Collective Training System“ des britischen Verteidigungsministeriums erhalten. Das berichten Dow Jones Newswires und dpa-AFX übereinstimmend.
Der Gesamtvertrag läuft 15 Jahre und hat ein Volumen von rund 2 Milliarden Britischen Pfund. Auf Rheinmetall entfällt ein Anteil von knapp 1 Milliarde Euro. Das Projekt digitalisiert die Gefechtsausbildung mit Künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und synthetischen Trainingsumgebungen.
Die operative Umsetzung startet im Sommer 2026. Die lange Laufzeit sichert dem Konzern planbare Einnahmen über Jahre hinweg — unabhängig vom klassischen Hardware-Verkauf.
Kuwait bestellt Täuschkörpersysteme, RENK erweitert Lynx-Vertrag
Parallel baut Rheinmetall seine Präsenz im maritimen Bereich aus. Die kuwaitische Marine hat erstmals das Täuschkörpersystem MASS bei Rheinmetall bestellt, wie der Fachdienst ESUT berichtet. Acht Schiffe der Al-Dorra-Klasse werden damit ausgerüstet.
Das Auftragsvolumen liegt für die Systeme im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Hinzu kommt Munition im hohen einstelligen Millionenbereich. Das Projekt läuft seit dem zweiten Quartal 2026 und endet 2029.
Zusätzlich profitiert der Konzern vom Schützenpanzer KF41 Lynx. Getriebespezialist RENK hat den Rahmenvertrag für die Lynx-Antriebe erweitert — inklusive Optionen um mehr als 270 Millionen Euro. Großaufträge aus Rumänien und Ungarn lasten die Lynx-Produktion über Jahre aus.
Aktie bleibt weit unter altem Hoch
Die guten Nachrichten ändern wenig am Gesamtbild des Jahres. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.995 Euro aus Ende September 2025 hat sich die Aktie fast halbiert. Erst am 25. Juni markierte der Titel bei 902,50 Euro ein neues Jahrestief.
Vom aktuellen Kurs aus liegt das Tief noch 11,45 Prozent entfernt. Der 14-Tage-RSI steht bei 39 — die Aktie nähert sich damit einer technisch überverkauften Zone. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.514 Euro fehlen dem Titel weiterhin rund ein Drittel.
Rheinmetall treibt derweil den Kapazitätsausbau in Osteuropa voran. In Litauen entsteht eine neue Munitionsfabrik für 155mm-Artilleriegeschosse mit einer Investition von bis zu 300 Millionen Euro. Der Produktionsstart ist für 2026 geplant, der volle Hochlauf soll 2027 folgen.
Die 15-jährige Laufzeit des britischen Trainingsvertrags gilt als Signal für stabilere Cashflows jenseits reiner Hardware-Geschäfte. Ob das reicht, um den Kurs nachhaltig aus der überverkauften Zone zu holen, entscheidet sich in den kommenden Wochen an der 50-Tage-Linie bei 1.161,59 Euro.
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