Für den 21. Oktober ist Renks Pre-Close Call angesetzt. Ende September warnte JPMorgan vor einem schwächeren dritten Quartal; zugleich steht die Frage im Raum, wie viel Halt das Geschäft mit bestehenden Fahrzeugen bei weniger Neubestellungen bietet. Dieter Jaworski ordnet ein, worauf es dabei für die Bewertung ankommt.

Renk Group (DE000RENK730) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 30.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 30.09.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Angenommen, die Nachfrage nach neuen Panzern bricht ein: Was schützt Renks Geschäft dann noch?
Dieter Jaworski: Zuerst die Fahrzeuge, die längst im Einsatz sind. Rund 180.000 Fahrzeuge brauchen weiter Ersatzteile. Renk ist über Zulassungen, Wartung und Ausbildung tief in die Versorgung der Streitkräfte eingebunden; ein Lieferantenwechsel wäre mühsam. Das gibt dem Unternehmen Preissetzungsmacht bei bestehenden Systemen.
Für mich ist das ein ungewöhnlich belastbares Geschäft. Eine Fabrik mit deutlich weniger neuen Aufträgen lässt sich damit allerdings nicht vollständig auslasten.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen, „ein Lieferantenwechsel wäre mühsam“. Wenn Verteidigungshaushalte knapper werden, können Kunden Wartung doch verschieben. Wie viel ist diese Bindung dann wert?
Dieter Jaworski: Wartung lässt sich verschieben. Deshalb würde ich aus der Bindung keinen unangreifbaren Ertrag ableiten. Aber irgendwann müssen die Fahrzeuge wieder einsatzfähig sein, und dann zählen passende Teile sowie eingespielte Abläufe. Diese Stellung dürfte Renk auch bei schwächerer Nachfrage helfen, Preise zu halten. Neue Getriebe kann das Unternehmen bei leeren Haushaltskassen freilich nicht herbeireden.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Die Einladung Putins zum G20-Gipfel wurde als mögliches Entspannungssignal gelesen. Überschätzen Sie den Schutz des bestehenden Geschäfts?
Dieter Jaworski: Nein. Vorhandene Fahrzeuge müssen weiterfahren. Weniger neue Aufträge täten trotzdem weh. Ein Schutzschild gegen leere Fabriken ist das nicht.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Wie viel Substanz steckt in Ihrem fairen Niveau, wenn der Auftragsbestand erst noch zu Ertrag werden muss?
Dieter Jaworski: Papieraufträge verdienen kein Geld. Mein faires Niveau liegt bei 65 Euro und setzt voraus, dass Renk die Bestellungen mit gutem Ertrag abarbeitet. Zum 30. Juni 2026 standen 7,4 Milliarden Euro im Auftragsbestand. Das schafft Sichtbarkeit; ob daraus auch bei schwächerer Nachfrage eine gute Kapitalrendite wird, muss Renk noch belegen. An der Lieferfähigkeit und an den erzielten Preisen würde ich das messen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: JPMorgan hat Ende September sein Kursziel gesenkt und vor einem enttäuschenden dritten Quartal gewarnt. Reden Sie sich mit Ihrem fairen Niveau das Ergebnisrisiko schön?
Dieter Jaworski: Die Warnung sitzt dort, wo meine Einschätzung verletzlich ist: bei der Umsetzung der Aufträge. Renk hat seine Prognose für das bereinigte operative Ergebnis 2026 von 255 bis 285 Millionen Euro bestätigt; ein schwaches Quartal allein widerlegt sie noch nicht.
Wenn sich in den Berichten aber zeigt, dass die Ersatzteilnachfrage trotz der bestehenden Fahrzeuge nachlässt und Aufträge nur mit sinkenden Margen erfüllt werden, gebe ich meine positive Einschätzung auf. Dann trägt die Qualität des Geschäfts den angesetzten Wert nicht.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie nennen 65 Euro als faires Niveau. Trägt das Geschäft dieses Urteil auch bei schwächerer Nachfrage?
Dieter Jaworski: Ja, solange Renk aus dem bestehenden Fahrzeugbestand Ertrag zieht und seine Aufträge zu ordentlichen Preisen liefert. Ich halte das Geschäft für stark genug, um einen Abschwung besser auszuhalten als ein gewöhnlicher Zulieferer. Mein Urteil hängt an den Margen, nicht an diplomatischen Signalen.
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