Die Übernahmespekulation um Renk Group hat am Mittwoch vergangener Woche neue Nahrung bekommen: JPMorgan-Analyst David Perry bezeichnete den Panzergetriebe-Hersteller als attraktives Ziel für einen größeren Branchenkonzern. Konkrete Angebote nannte er nicht – die Aussage bleibt Einschätzung, kein Faktum. Anleger sollten den Vorstoß daher als Fortsetzung einer bereits laufenden Debatte lesen, nicht als neue Entwicklung.
Weniger Beachtung fand dagegen ein Detail aus dem Zahlenwerk zum ersten Halbjahr, das Renk bereits Anfang August veröffentlicht hatte: Die Slide-Bearings-Division, das Gleitlagergeschäft des Konzerns, schwächelt spürbar.
Der Auftragseingang der Sparte sank im ersten Halbjahr auf 64,2 Millionen Euro nach 66,3 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz gab um 4,4 Prozent nach, die bereinigte EBIT-Marge brach von 16,6 auf 12,5 Prozent ein. Renk selbst führt den Rückgang auf konjunkturelle Belastungen und höhere US-Zölle zurück.
Konzernweit robust, im Detail durchwachsen
Auf Konzernebene bleibt das Bild deutlich freundlicher. Der Auftragseingang kletterte im ersten Halbjahr um 29,7 Prozent auf 1,195 Milliarden Euro, das zweite Quartal war mit 612,8 Millionen Euro das stärkste der Unternehmensgeschichte.
Der Gesamtauftragsbestand erreichte mit 7,4 Milliarden Euro ein Allzeithoch, das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,9x signalisiert deutlich mehr Neugeschäft als Umsatzabbau. Der Vorstand bestätigte die Jahresprognose mit einem Umsatzziel von über 1,5 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro.
Genau diese Kluft zwischen starkem Kerngeschäft und schwächelnder Nebendivision wirft die Frage auf, wie belastbar die Konzernmarge auf mittlere Sicht ist. Fallen die US-Zölle stärker ins Gewicht als bislang eingepreist, könnte die Gleitlagersparte zum wiederkehrenden Belastungsfaktor werden – auch wenn ihr Beitrag zum Gesamtgeschäft überschaubar bleibt.
Übernahmeziel oder eigenständiger Wachstumswert?
Die JPMorgan-These fügt sich in ein Muster: Renk gilt seit der milliardenschweren Akquisitionspipeline im Marinesektor – Anfang Juli hatte der Konzern den verbindlichen Vertrag zum Erwerb des britischen Getriebeherstellers David Brown Defence unterzeichnet, samt Zugang zu Marineprogrammen in Großbritannien, Kanada und Australien – als strategisch interessanter Baustein für größere Wehrtechnikkonzerne. Ob daraus ein reales Angebot wird, bleibt offen; Perrys Einschätzung stützt sich auf keine bestätigten Verhandlungen.
Am Aktienmarkt zeigt sich die Gemengelage in einer verhaltenen Kursentwicklung. Zum Wochenschluss notierte Renk bei 48,34 Euro, nur 3,6 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber 7,7 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 52,37 Euro – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Trend noch nicht gedreht hat. Auf Wochensicht verlor das Papier 6,5 Prozent, was die Skepsis vieler Anleger gegenüber der reinen Übernahmefantasie widerspiegelt.
Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob sich die Schwäche der Slide-Bearings-Division fortsetzt oder ob die starke Nachfrage im Kerngeschäft – getrieben von steigenden Verteidigungsbudgets – den Effekt überkompensiert. Solange keine konkreten Übernahmeverhandlungen bestätigt sind, bleibt die operative Entwicklung der eigentliche Maßstab für die Aktie.
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